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Google Street View

August 30th, 2010

Dog Days

August 26th, 2010

Ich stelle mir vor, ich hätte einen Hund. Und dem ginge es gar nicht gut. Sein Essen würde ihm nicht schmecken, er schliefe den ganzen Tag. Es mangelt ihm an Zukunftsperspektive, er trinkt zu viel. Würde “Hunde in Balace” (bzw. “hundeinbalance”) ihm helfen können mit ein wenig Wellness und ein paar Massagen, mit Schwimmbad, Krankengymnastik und Rohfutter? Ich weiß es nicht. Vielleicht würde mein Hund auch wütend werden, aggressiv und böse. Er würde im Park nachts randalieren und Straßenlaternen austreten. Dann wäre er immerhin ein Fall für das das Angebot “Rehablitation” der balancierenden Hundefreunde, ihr letzter Rettungsring sozusagen. Sie würden ihn wieder in die Gesellschaft eingliedern; vier Sitzungen pro Woche, Freitags wäre frei. Ich stelle mir vor, ich wäre mein Hund. Ich glaube, ich würde daraufhin glaube ich sehr wütend werden, böse und aggressiv. Es ginge mir gar nicht gut. Mein Essen würde mir nicht mehr schmecken, und vor die Tür wollte ich auch nicht mehr. Jedenfalls nicht zu den üblichen Ladenöffnungszeiten.

Au contraire

August 23rd, 2010


Damals

August 22nd, 2010

22. August 2029. Zwanzig Jahre ist es nun her, dass das Hamburger Gängeviertel von ein paar hundert Künstlern und Aktivisten (und natürlich Künstlerinnen und Aktivistinnen) besetzt wurde. Alle Häuser sind inzwischen behutsam saniert worden. Viele der paar hundert, die damals dabei waren, wohnen und arbeiten nun in den Gebäuden, viele sind aber auch weitergezogen. Vor 19 Jahren haben sie gemeinsam und mit ihren Gästen Geburtstag gefeiert, drei Tage lang den einen Tag im August 2009, an dem alles begonnen hatte. Es war ein Wochenende, das Wetter war gut, sowohl der FC St. Pauli als auch der HSV hatten damals ihre Spiele gewonnen, bis spät in die Nacht zogen Besucher durch das Gängeviertel. An diesem Tag entstanden diese historischen Bilder, die erst jetzt gefunden wurden und nun exklusiv auf dieser Seite veröffentlicht werden.











Die Bilder entstanden mit der iPhone-App “Hipstamatic”. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Anschläge

August 21st, 2010


Geburtstag!

August 20th, 2010

Aus gegebenem Anlass heute eine ganz herzliche Einladung ins Gängeviertel. Ab Mittag wird dort der einjährige Geburtstag der Rettung des Viertels gefeiert – mit vielen Ausstellungen, Konzerten und Diskussionen. Und morgen auch. Und übermorgen erst recht. Das aktuelle Programm gibt es hier und als PDF hier. Also: Unbedingt vorbeikommen und Häuser und Menschen umarmen!

Blankenese (2)

August 14th, 2010

Diese Bilder erzählen eine Geschichte. Sie spielt in Blankenese am vorgestrigen Tage und hat ebenso wie die Geschichte, die sich am selben Tage vor dieser ereignet hat, keine Handlung. Es werden wiederum nur Füße voreinandergesetzt, die Schuhe sind bereits sandig. Während dieser Geschichte wellen sich Hunde, und in der Vorstadt wachsen beleuchtete Pilze. Tee ist eine Religion und kostet 4,50 Euro das Kännchen. Menschen laufen vorüber, und wir wollen sie nicht kennen lernen. Das ginge auch nicht: Wir sehen sie, sie sehen uns nicht. Autos fahren dicht auf. Wer hier parken will, holt sein Ticket beim Arzt. Laute Musik wellt sich über Tapas. Dann gibt es Eis. Dann dämmert es. Arcade Fire spielen “The Suburbs”. Die Flucht ist gelungen, die Geschichte ist vorbei.



Blankenese (1)

August 12th, 2010

Diese Bilder erzählen eine Geschichte. Sie spielt in Blankenese am heutigen Tage und hat keine Handlung. Es werden nur Füße voreinander gesetzt und Schuhe dabei sandig. Mal liegt das Wasser links, mal schwappt es rechts. Während dieser Geschichte haben Schiffe Sex im Hafen. Es wird geklärt, warum man Salatsoße kauft, und ein roter Aufkleber findet seinen Platz am Pfosten eines Schildes, das vor dem Wasser warnt. Wildsäue reiben sich an weißen Baumstämmen, und Eichhörnchen erhängen sich in einem Baum. Andere Bäume formen aus ihren Zweigen ein Herz, dahinter fährt ein Schiff nach China. Wenig später bellt von oben ein Hund. Es wird geraucht, und das Handynetz fällt aus. Es wird währenddessen Herbst. Danach passiert nichts mehr.






Katzengold

August 2nd, 2010

Da stand sie nun an der Mauer und atmete flach wie Sprühfarbe. Wie sie aussah, wird später niemand genau sagen können, denn dann wird sie verblichen sein. Der Regen wird sie von der Mauer gewaschen und die Sonne wird sie zerblichen haben. Vielleicht hält sie durch bis zum Herbst, wenn sie Glück hat. Neben ihr an der Wand steht ein Satz. „Es gibt kein Gold“, steht da geschrieben. Ist das ihr Gedanke? Weiß sie etwas, das wir nicht wissen? Es gibt kein Gold. Aber dass es direkt neben ihr weiße Schlangen mit Schnabelköpfen gibt, auf denen rote Ameisen herum krabbeln wie die Zeit auf ihren Armen und dem Kleid – davon weiß sie nichts. Vielleicht, weil sie dieses Tier nicht denken kann? Was sie sieht, direkt ihr gegenüber: Holz. Stacheldraht. Eine große, weiße Plastikplane. Dahinter steht ein Haus. Das aber ahnt sie nur. Gesehen hat sie es nie. Sie kam erst hierher, als es schon verdeckt war. „Es gibt kein Gold“, denkt sie wieder, „alles, was es gibt, ist Katzengold. Und aus der Katze habe ich mir dieses Kleid gemacht.“ Alt wird sie hier nicht werden. Die Ameisen krabbeln zurück in ihr Loch. Darin ist es hell. Das letzte Licht der Sonne dringt hinein und spiegelt sich in tausenden kleinen Nuggets. Es ist ihr ganzer Schatz.



Metaphern

Juli 31st, 2010

Ein Land, eine Stadt, eine Straße, eine Blume. So viel Land, so große Städte, so viele Straßen, aber nur eine Blume. Und zwei Hummeln. Was denken die beiden wohl – oder was würden sie denken, gesetzt den Fall, sie könnten das? Was ginge ihnen durch den Hummelkopf bei so viel Land, so viel Stadt und so vielen Straßen und bei so wenig, um das sich eigentlich alles dreht? Niemand weiß das – und da die beiden Hummeln aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allzu viel denken, wissen sie es leider selbst nicht. So viel Land, eine Stadt, eine Straße und darin das Haus, in dem ich wohne. Davor die Blume. Sie ist noch da. Die Hummeln sind weg geflogen.

Das erinnert mich an eine Zeichnung, die ich sehr mag. Darauf ist ein Schiff zu sehen. Zwei Menschen stehen darauf. Eine Möwe fliegt an ihnen vorbei. So viel Meer und darin ein Schiff, ein Kapitän, ein Matrose, eine Möwe. Der Kapitän sagt: “Bei dem starken Wind weiß man nie, ob die Möwe wirklich dahin will, wo sie hinfliegt.” Und der Matrose neben ihm antwortet: “Gute Metapher für irgendwas“. So viel Internet, darin ein Blog, ein Eintrag, eine Blume, zwei Hummeln und die Beschreibung einer Zeichnung. Und so wenig davon, worum sich eigentlich alles dreht.

Bunt an den Rändern

Juli 28th, 2010

Ich laufe derzeit immer wieder gerne durch den Park in meiner Nachbarschaft. Und dabei mache ich mir dann meist ein paar Gedanken, Runde um Runde ein paar mehr, bis ich sie nicht mehr tragen kann. Die Guten nehme ich dann mit nach Hause, fahre mit ihnen mit dem langsamen Aufzug hoch in meine Wohnung, verkrame sie dann meistens irgendwo unter ungeöffneten Kontoauszügen und Werbezetteln, und manchmal finde ich sie dann erst nachts im Traum wieder und vergesse sie bis zum Morgen. Wäre es nicht schön, wenn Menschen, wenn sie älter werden, bunt würden an den Rändern, habe ich mir zum Beispiel gedacht bei einer Runde im Park. So bunt wie die Blätter unter meinen Schuhen. Jeder bildet sein eigenes Muster, jeder Mensch franst aus in seiner eigenen Farbe, die er aus seinen Erinnerungen mischt. Das wäre außerordentlich. Das wäre neu. Vielleicht passiert das aber auch schon, und wir sehen das nur nicht. Das sind so Gedanken, die ich durchlaufe beim Laufen im Park. Wollte ich nur mal gesagt haben. Was ich noch sagen will: Wir sollten alle unbedingt mehr Moritz Krämer hören. Er hat es so verdient. Und mit ihm laufe ich immer eine Runde mehr. Danke. Es ist nicht alles so wie’s soll, es ist auch nicht verkorkst. Aber was du sagst, ist ziemlich schön. Es liegt nicht an mir. Wir können nichts dafür.





9 1/2 Stunden

Juni 30th, 2010






So sehn Sieger aus

Juni 24th, 2010

Um eins vorweg zu sagen: Ja, ich weiß, dass ich zur falschen Zeit am falschen Ort war. Und dass ich das Spiel zuvor – Zeugen können das bestätigen – nicht mit Leuten gesehen habe, die sich als verbissene Fans der deutschen Nationalmannschaft bezeichnen würden. Ich weiß: Ich hätte nicht nach Abpfiff des Spiels Deutschland : Ghana am zentralen Kundgebungsort des Hamburger „Public Viewings“ vorbei fahren sollen. Aber was soll ich machen, es ist nun mal mein Heimweg. Und ein ruhiger Heimweg ist das, zumindest an anderen Tagen als gestern. Denn gestern kamen mir dort tausende in schwarz-rot-goldene Farben gekleidete Männer und Frauen entgegen, die wahlweise „Deutschlaaaaand, Deutschlaaaand!“ oder „So sehn Sieger aus!“ grölten, eskortiert von hupenden Autos mit Deutschland-Flaggen und überhöhter Geschwindigkeit. Tausende Männer und Frauen wohlgemerkt, die zuvor ein durchschnittliches Fußballspiel gesehen hatten, das Deutschland durch seine fast einzige Torchance gewonnen hatte. Ich bin bei weitem kein Miesmacher: Ich akzeptiere, dass andere Menschen eine höhere Identifikation mit diesem Land und seiner Mannschaft haben, und ich habe auch nichts gegen Fußballfans. Aber um bei den Fakten zu bleiben: Deutschland hat die Vorrunde der Weltmeisterschaft überstanden. Mit einem knappen Sieg gegen Ghana. Das ist gestern passiert. Mehr nicht. Der Grund für diesen überspitzten, national gefärbten Jubel muss also woanders zu finden sein. Ist es die Freude am Event? Auch. Mischt sich darin Erleichterung, nicht in der Vorrunde ausgeschieden zu sein? Bestimmt. Die jedoch würde sich anders anfühlen. Demütiger vielleicht und weitaus weniger aggressiv. Nein, der Hauptgrund ist ein anderer: Es gibt in diesem Land eine ungemein übersteigerte Sehnsucht nach 2006, nach dem „Sommermärchen“, nach „wir“ und „wir sind alle Schwarz-rot-geil“ – danach, sich endlich wieder in der Masse Deutsch zu fühlen und das auch zu zeigen. Das haben viele vor vier Jahren zum ersten Mal erlebt. Das wünschen sie sich zurück (und haben anscheinend vier Jahre auf den kleinsten Anlass gewartet).

Ich gebe zu: Diese Masse an Schwarz-rot-Geilen hat mir Angst gemacht. Insbesondere, weil es ihr nicht genügt hat, sich über den deutschen Sieg zu freuen, nein: Sie hat mit einem Schlag alles vermeintlich Undeutsche ausgegrenzt – also alle, die keine Landesfarben in der Kleidung oder im Gesicht trugen oder nicht mitsingen wollten. Ich bin, nachdem ich mehrfach fast von Jubelautos überfahren oder vom Fahrrad gestoßen wurde, endlich bei meinem Kiosk angekommen. Davor stand eine Frau, „schalalalala, so sehn Sieger aus!“ singend. Ich wollte an ihr vorbei zum Eingang. Sie hat sich mir in den Weg gestellt und weiter gesungen. Ich habe mit den Augen gerollt. Und wollte nur an ihr vorbei. Sie hört auf zu grölen und schreit mir ins Gesicht: „Du bist wohl kein Deutscher, oder was?!“ „Schon“, murmle ich und dränge mich an ihr vorbei – nur anscheinend ein etwas anderer als sie. Ich mag zum Beispiel Fußball, und das nicht nur alle vier Jahre. Und nicht wegen Deutschlaaaand. Ich nehme deutsche Siege oder Niederlagen nicht persönlich.

Manchmal wünschte ich mir, 1954 – oder besser noch: 1990 – wäre nie passiert. Wir wären eine kleine Fußballnation und würden uns ehrlich über jeden Sieg freuen können. Denn jeder unserer Gegner wäre übermächtig, und wir würden jubeln über jedes überraschende Tor.

Wir wären ein wenig mehr Ghana. Aber das geht natürlich nicht. Denn wer sind die schon?

Andere Frage: Was wäre gestern eigentlich passiert, wenn die Mannschaft verloren hätte? Wäre die Reaktion darauf genau so hysterisch ausgefallen? Vielleicht ist es unter anderem die Angst vor der Antwort auf diese Frage, die mich davon abhält, Teil dieser Jubelgemeinde sein zu können.

Immerhin weiß ich nun: Das England-Spiel schaue ich lieber zu Hause.

Autofreier Sonntag

Juni 20th, 2010


LA (2)

Juni 19th, 2010