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Heiße Kartoffeln

März 12th, 2010

Es gab in der Schanze einmal einen kleinen türkischen Laden mit gutem Döner und annehmbaren Pommes: den “Imbiss International” neben der Roten Flora (ich habe mich mit meiner Initiative, ihn scherzhaft “Imbiss National” zu nennen, leider nie durchsetzen können). Seit geraumer Zeit gibt es das Geschäft leider nicht mehr. Stattdessen wurde das Haus – für Schanzenverhältnisse sogar recht hübsch – saniert, und seltsamerweise scheint es seitdem mehr oder weniger leer zu stehen; jedenfalls ist das Erdgeschoss mit Holz vernagelt und überall kleben Plakate von Übel & Gefährlich & Co. Umso mehr musste ich gerade lachen, als ich am ehemaligen “Imbiss National” (letzter Versuch) vorbeigegangen bin und das hier sah:

Imbiss National

Hagel und Granaten

Februar 1st, 2009

Ich weiß natürlich nicht, ob es in den kommenden Wochen noch einmal so schneien wird wie vor kurzem. Obwohl ich sogar jemanden kenne, der beim Deutschen Wetterdienst arbeitet und abends immer in meiner Lieblingskneipe sitzt. Doch selbst der war von dem Schnee überrascht worden: “Hagel und Granaten, es hätte eigentlich nur regnen sollen!” hat er gerufen, als ich ihn auf die drei Zentimeter Weiß vor der Tür angesprochen habe – als würde Käptn Haddock das Hamburger Wetter ansagen. Ich mag Schnee eigentlich nicht besonders, aber dieser war schön. Wie Regen, der an Bäumen kleben bleibt. Wasser, das kurz ruhen mag, bevor es zu Boden fällt.




Ende 2008

Dezember 31st, 2008

2008 liegt in den letzten Zügen, und ich sitze in der Bahn nach Frankfurt. Es ist lange her, dass ich dort Silvester gefeiert habe, und das ist ein seltsam passender Abschluss dieses Jahres voller Veränderungen. So viel hat 2008 gebracht und genommen, so dass nichts ist mehr so ist, wie es war. Vielleicht werde ich in diesem Jahr zum ersten Mal Raketen verschießen, damit 2009 mit einem Knall beginnt. Ich werde auf versuchen, eines dieser Plakate zu treffen, die in Hessen überall hängen – auch wenn sich dieser böse Geist damit wohl nicht vertreiben lässt. Wir lesen uns Zweitausendundneun wieder. Bis dahin: allen einen guten Rutsch und alles, alles Gute!

Sommerton

Dezember 30th, 2008

Wer hören mag, wie Literatur beim Sprechen entsteht und wer tief eintauchen will in die Kindheit eines Menschen, in die Gerüche und Geräusche einer vergangenen Zeit, der muss unbedingt Peter KurzecksEin Sommer, der bleibt” hören. Da liest keiner ein Buch vor, da wird vor unseren Ohren ein Buch gemacht. Dabei entsteht eine Erzählung im Wortsinne, ohne vorgefasstes Manuskript, nur durch bloßes In-sich-hineinhören und Aus-sich-heraus-denken. Eigentlich wollte ich auf einer Fahrt im ICE nur kurz hineinlauschen in die Geschichte, weil Kurzecks Werk gerade zum “Hörbuch des Jahres 2008″ geadelt wurde – doch dreieinhalb Stunden später habe ich zum ersten Mal die Pünktlichkeit der Bahn verflucht. Ich wollte nicht aufhören, ich wollte, dass der Sommer bleibt, so sinnlich erweckt Kurzeck seine Kindheit zum Leben. So etwas habe ich nicht erwartet, so etwas habe ich noch nie gehört. Hier gibt es ein Hörbeispiel in einem Beitrag des Deutschlandradios.

Fachwerk

Dezember 29th, 2008

Ich bin zurück von meiner kleinen Deutschlandreise. Und ich kann kein Fachwerk mehr sehen, so schön das auch sein mag auf den ersten Blick, so wertvoll und so beständig. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich anfühlt, in einer Stadt mit historischer Altstadt aufzuwachsen – wie zum Beispiel in Erfurt. Sehnt man sich dann sein Leben lang nach Beton? Fühlt man stets einen Drang in sich, Wände voll zu sprühen, nur um ein wenig Makel zu verbreiten und damit echtes Leben und einen kleinen, bunten Hauch von Gegenwart? Ich weiß es nicht, ich selbst bin ja auf dem Dorf aufgewachsen mit Bauern und Traktoren und Kühen – und ich mag das immer noch. Das Grauen und die wärmende Enge der Provinz. Aber ich mag das aus der Großstadt heraus. Vielleicht werde ich eines Tages dorthin zurückkehren, wo der Metzger alles über alle weiß und sich nachts die Jugendlichen an der Tanke treffen. Aber bis dahin ist noch Zeit. Noch bin ich nicht soweit. Noch brauche ich meinen Möglichkeitsraum, mein Hamburg. Der Kleinstadt muss man gewachsen sein.


Lob an mein Gehirn

Dezember 22nd, 2008

Es trug sich zu vor ein paar Wochen, da strömte ich gerade nach einem überaus enttäuschenden Fußballspiel aus der “Commerzbank-Arena” in Frankfurt und wanderte am Rande eines Waldes entlang, als plötzlich ein Flugzeug recht tief über mich hinweg flog – und ich dachte bei mir: “Ah, das ist wohl die Einflugschneise des Flughafens.” Oder ich wollte das zumindest denken. Ich dachte aber: “Ah, das ist wohl die Einschneißfliege des Flughafens.” Und ich freute mich über mein Hirn, das sich so etwas Schönes wie eine Einschneißfliege ausdenken kann. Leider weigerte es sich, auch das Bild einer solchen Fliege in meinen Kopf zu zaubern, einer vielleicht sogar, die sich gerade völlig versunken dem Einschneißen widmet wie manche Menschen einem Puzzlespiel, wenn nur noch Wolkenteile übrig sind. Und wie ich so versuche, mein Hirn doch noch zu einer entsprechenden Fantasie zu überreden, lässt es mich stattdessen an ein Plakat denken, das ich ein paar Wochen vor dem Fußballspiel im “Toom”-Markt gesehen und fotografiert hatte – eines, das für “Zuglufttiere” warb. Und ich fragte mich: Sind das Tiere, die nur in der Zugluft gedeihen? Sind sie des Schaffners beste Freunde? Oder wandeln sie gar Polyester in Zugluft um – in der dann meine Fliege glücklich herumschneißen könnte? Leider war keines mehr da, sonst hätte ich bestimmt eines gekauft. So bleibt mir nur, allen vorbeigeschneiten Lesern dieses Blogs schöne und ruhige Weihnachtstage zu wünschen. Und das ist ja auch was Schönes, das in die Zeit passt.

Wintersachen

Dezember 16th, 2008

Ich mag es, wenn alles langsam wird und still / Ich mag es, einen Vorwand dafür zu haben, dass ich nicht gerne aus und unter Menschen gehen will / ohne etwas über mich zu verraten // Ich mag das Geräusch von Motoren, die nicht anspringen / von absterbenden Autobatterien / vom Stapfen im Schnee / und kein Geräusch zu hören / von Sachen und Dingen / die außerhalb dieser vier Wände geschehen.”

Das ist ein Textauszug aus dem Lied “Wintersachen” meiner derzeitingen Lieblingsband “Locas In Love” (Vimeo). Eine sehr ruhige Platte, aber keine melancholische. Kein Schneematsch, eher ein wenig wie ein unbeschuhstapftes Stück Schnee, auf das die Abendsonne scheint. Oder das Licht des Scheinwerfers eines Autos, in dem deine Freundin wartet, bis du fertiggeraucht hast, um dich danach in den Arm zu nehmen. Und eine gute Platte, um Hühnersuppe dabei zu machen.




Die Krise des Marktes

Dezember 15th, 2008

Ich stehe immer noch unter Schock: Von einem Tag auf den anderen haben sie mir meinen Supermarkt zugemacht, geschlossen und verrammelt. Meinen Nachbarschaftsmarkt in kürzester Laufweite, meinen Oh-ich-habe-nichts-mehr-zu-trinken-ich geh-mal-schnell-Markt. Immer war er da für mich; seit ich hier wohne, war er da – jetzt ist er weg. Ich stand am schlimmen Tag nach der Schließung vor der Tür und habe Menschen beobachtet, denen es erging wie mir. Ich habe ihre Gesichter gesehen, als sie sich einen Einkaufswagen lösten und dann damit gegen die Tür klongten. Manche ein Mal, manche mehrere Male: als könnten sie es nicht glauben. Da war Erschrecken zu sehen, Fassungslosigkeit – und auch ein wenig Zweifel, ob das nun real sein würde oder doch gleich Kurt Felix und Paola oder zumindest Frank Elstner aus der Hecke springen würden. Ich habe ihre Gesichter gesehen, mich darin gespiegelt und mein eigenes Leid immer und immer wieder erlebt. Inzwischen haben sie die Einkaufswagen weggenommen – und das wohl nicht einmal, um den Schmerz der ausgeschlossenen Kunden zu lindern, sondern um den Laden in Ruhe leeren zu können. Wenn nur Handschuhhände an der Tür rütteln, ist das leiser als der Bums von hunderten Stahlkäfigen. Jetzt kommen nur noch die Insassen des nahegelegenen Altersheims zum aprupten Halt, wenn sie mit ihren Gehhilfen gegen die Supermarkttür rasseln. Aber das werden die da drinnen wohl aushalten. Ist ja nicht mehr lang, dann ist alles leer. Dann steht kein Bier mehr in den Regalen, keine Milch muss sich mehr halten und auch Toilettenpapier bekommt hier keiner mehr. Schließlich ist die Lage nicht mehr vierfach, sondern ernst.


Draußen vor der Tür

Dezember 3rd, 2008

Ich komme derzeit nicht viel rum oder raus, deswegen zur Feier des Wintereinbruchs nur einige Fotos von meinem Balkon. Ich freue mich ja immer über den ersten wirklichen Schnee, aber das ist eine Freude auf Distanz. Ansich ist mir das alles zu kalt und zu nass. Ich mag es lieber trocken – und wenn es denn nass sein muss, dann mag diesen wunderbaren Hamburger Regen, den man nicht sieht, der einen aber dennoch völlig durchnässt. Es ist das einzige schlechte Wetter, das ich kenne, bei dem ich lächeln muss. Und das ist viel wert, wenn die Socken immer nasser werden.



Neon Golden (2)

Dezember 1st, 2008

Ein Kiosk, untergebracht in zwei Containern, aber dennoch aus purem Gold: das ist mein St. Pauli, wie ich es so sehr mag. Ich mag auch Spaziergänge in der Natur, im Wald und auf weiten Feldern – aber dieser Stadtteil hat all dem etwas voraus: Er überrascht mich. Immer wieder, im Kleinen und im Großen. Überrascht war ich auch, als ich beim Feuerzangenbowletrinken auf dem Gänsemarkt diese Schachtel Zigaretten (leer) entdeckt habe. Weiß, ohne Namen (außer J428), ohne Herstellernachweis, aber mit Steuermarke. Und seitdem frage ich mich: Was ist das? Woher stammt diese Schachtel? Im Internet habe ich nichts gefunden – aber immerhin werden sich nun wohl einige Webmaster wundern, dass jemand mit dem Suchbegriff “J428 Zigaretten” auf ihrer Site gelandet ist. So wie Gunnar auf seinem Blog immer wieder Gäste empfangen muss, die nach “Christina Stürmer Nacktfotos” gesucht haben. Ich begrüße aus diesem Anlass (falls er noch mal wiederkommt), den User, der gestern mit der wundervollen Google-Anfrage “wie hat pauli zu hause heute in hh fußball gespielt” diese Seiten fand. Die Antwort lautet: 1:0 gewonnen. Und weil wir gerade bei offenen Fragen sind: Warum ich bei der Suche nach “starkes Beruhigungsmittel” bei Google auf den vordersten Plätzen lande, wird mir ewig rätselhaft bleiben.

PS: Eine Stunde hat es gedauert… nein, hier gibt es keine Nacktbilder von Frau Stürmer.


Herbst

November 21st, 2008

Draußen liegt Schnee. Höchste Zeit also für meine beiden Lieblingsherbstbilder. Und außerdem muss ich endlich Danke sagen bei denen, die sich wegen meines vergangenen Eintrags bei mir gemeldet haben. Danke. Das war lieb von euch. Draußen liegt Schnee. Das Jahr geht zu Ende.


November 11th, 2008

DRIFTED

Oktober 23rd, 2008

Es ist schön, wenn man einen Blog hat. Damit kann man sich nämlich ablenken, wenn man eigentlich gerade etwas schreiben muss, es aber nicht hinhaut. Durch Schreiben vom Schreiben ablenken, sozusagen. Deswegen aus aktuellem Anlass: ein neues Video, das ich gedreht habe – leider wohl auch vorerst das letzte, da ich nun bis auf weiteres keinen Camcorder mehr besitze. Entstanden ist der Film im Hamburger Hafen, während einer Fährfahrt, durch die Scheibe gefilmt, ohne weitere Effekte. Eigentlich sollte im Hintergrund der Song “Drifted” der Hamburger Band Emmy Moll laufen (aus ihrem bezaubernden Debütalbum “All The Monsters Are Soft And Scared“), aber nach einem längeren Telefongespräch mit der GEMA habe ich davon leider Abstand nehmen müssen, das wäre alles viel zu kompliziert und teuer geworden. Deswegen nun: Anton Bruckner, Symphonie Nr. 7. Klingt jetzt zwar etwas pathetischer, passt aber auch ganz gut.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Klick zum Start (und ich hoffe, der Film läuft auf allen Systemen)

Staubige Finger

Oktober 20th, 2008

Da ich gerade dabei bin, Skurrilitäten zu zitieren, hier noch ein Foto, das seit Monaten auf meiner Festplatte schlummert. Ich bin damals extra noch einmal zur Sternbrücke gegangen, um dieses Schild aufzunehmen – denn selten ist mir Seltsameres begegnet als das Zusammenspiel der Zeilen “Film Todesstaub / vom Einsatz der Uranmunition im Irak mit Finger-Food-Buffet / [im] ‘Stammheim’ (ehem. ‘breitenberg’)”. Das hätte sich Karl Kraus nicht besser ausdenken können.

Gier

Oktober 20th, 2008

Ist es Gier, wenn man möglichst erfolgreich sein will? Das will doch jeder im Leben. Davon lebt unser System. Auch der Wettbewerb um höhere Renditen hat die Menschheit weitergebracht. Diesen Wettbewerb sollten wir auf keinen Fall aufgeben. (Josef Ackermann im Interview mit der “Bild am Sonntag”)