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Bremsweg 43

April 20th, 2010

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Bremsweg 49

April 14th, 2010

ICE
Fall
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HBf
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Happiness

Puh.

Januar 3rd, 2009

Die Polizei Berlin informiert:

Zu einem Wohnungsbrand kam es in der vergangenen Nacht in Tempelhof. Ein Mieter des Hauses in der Wolframstraße hatte kurz nach Mitternacht die Feuerwehr alarmiert, als er in seiner Wohnung Rauchgeruch wahrgenommen hatte. Nachdem die Einsatzkräfte das Feuer in der Wohnung einer 87-Jährigen im 2. Obergeschoss festgestellt hatten, retteten sie die Seniorin sowie weitere Mieter aus den oberen Etagen über die Drehleiter. Die Mieter der unteren Stockwerke konnten das Haus selbständig verlassen. Die 87-Jährige kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Andere Personen wurden nicht verletzt. Die Ermittlungen zur Brandursache übernimmt ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes.

Klingt weniger nachrichtlich, wenn “ein Mieter des Hauses” ein guter Freund ist und “weitere Mieter aus den oberen Etagen” unter anderem seine Freundin und seine zwei Kinder. Zum Glück ist alles gut gegangen. Und ich kaufe mir nun so schnell wie möglich einen Rauchmelder.

Zwischenhalt

Juli 12th, 2008

Es ist vorbei. Meine letzte ICE-Fahrt für die nächste Zeit, mein letztes Mal Berlin für die kommenden Wochen. Ich habe nicht viel von der Stadt mitbekommen vor lauter Arbeit, aber sie ist mir ein wenig mehr ans Herz gewachsen: Höre ich in den Nachrichten nun das Wort “Berlin”, fühlt sich das näher an als zuvor. Vieles werde ich vermissen: die Kollegen (besonders einen), die breiten Straßen, den Kontrast zu Hamburg (auch wenn ich nicht beim Scheibenkratzen erwischt worden bin und bereits einen Player habe), das Schrippenmobil und die Sushierlebnisse in der Mittagspause. Jetzt sitze ich gerade in Hamburg und packe bereits für den nächsten Aufbruch. Ist das gut so? Ja, das ist gut so. Aber ein wenig sehne ich mich auch nach Stillstand. Es heißt ja, dass die Seele zu Fuß hinterher kommt. Ich hoffe, meine kommt noch pünktlich vor Abreise an.

Berlin Hauptbahnhof
Geschäftsaufgabe
S-Bahn Berlin

Büro, Büro

Juli 10th, 2008

Es gibt Räume, die einen beim ersten Anblick beeindrucken, in denen man sich jedoch ganz schnell wie selbstverständlich bewegt. Der Kindergarten war wohl so ein Ort (mit so vielen anderen Kindern), der erste Schultag bleibt den meisten zumindest als Gefühl in Erinnerung, bei manchen ist es der erste Tag in der Kaserne oder im Krankenhaus, der erste Studientag, die eigene Wohnung oder der erste Tag am ersten Arbeitplatz (mit den neuen Kollegen). Der letzte Ort in dieser Reihe war für mich die neue Redaktion: ganz in weiß, recht aufgeräumt, fremd – und ganz anders als alles, was davor war. Diese Erstbeschau ist nun rund zwei Monate her, und als umso erstaunlicher empfinde ich es, wie schnell man sich sich gewöhnt. An den Raum. Und an die Menschen darin. Wie schnell ein fremder Ort zum Kiez wird, in dem man sich zu bewegen lernt, dessen Codes und Stimmungen man entschlüsselt und zu begreifen versucht, bis man sie schleichend immer unterschwelliger wahrnimmt, bis man endlich gar nichts mehr sieht als die Arbeit, die in genau diesem Moment zu tun ist. Dann ist dieser Ort ein bekannter geworden, und in meinem Falle bald ein alter Bekannter, denn meine Zeit in diesen Räumen ist morgen erst einmal vorbei. Ich ziehe weiter und lasse zurück. Etwas, das ich nicht gut kann übrigens.

Vanity Fair
Vanity Fair

Wiederaufnahme

Juli 9th, 2008

Gestern morgen in der S-Bahn Richtung Innenstadt. Ich sitze wie immer ein wenig zerknautscht da, überlege mir gerade, ob eine Runde “Why?” die Müdigkeit vertreiben könnte, da erhebt sich neben mir eine helle, ein wenig zitterige Stimme, und ich höre:

Mei-ne Da-men und Her-ren,
ent-schul-di-gen Sie die Stö-rung.
Es fällt mir nicht leicht, Sie um ein paar Cents zu bit-ten,
aber das ist im-mer noch bes-ser als ir-gend-ei-nen Un-sinn zu m-achen.
Doch was soll ich tun, wo ich doch schon
Acht Jah-re auf der Stra-ße le-be.
Ich be-dan-ke mich für ih-re Auf-merk-sam-keit
Und wün-sche ih-nen noch ei-nen schö-nen Tag.

Die Stimme gehört zu einem kleinen Mann in Jeans und weißknittrigen Hemd, mit schwarzen Haaren und gebeugten Schultern, es sucht festen Stand. Er betont jede Silbe, spricht langsam, sein Tonfall klingt entschuldigend und dabei bestimmt, jeder kann ihn hören, und doch bleibt das Publikum unbeeindruckt. Der Text verschwindet hinter seiner routinierten Aufführung, kaum einer schaut hoch, als der Mann die Runde macht. Niemand spendet Applaus oder mehr, die bittend ausgestreckte Handfläche schwebt leer an den Pendlern vorbei, wie wohl schon in den Waggons zuvor. Dies ist keine Premiere, dies ist die hundertste Wiederaufnahme des noch jungen Tages, und es wird nicht einmal vereinzelt geklatscht. Das ist zu viel: Die Bahn hält “Tiergarten”, und es bricht aus dem Mann heraus: “Was bildet ihr euch eigentlich ein!?”, ruft er, hebt seine Arme anklagend zur S-Bahn-Decke und stürmt aus der Tür heraus. Einige Fahrgäste lassen ihre Zeitung sinken, ein paar Mädchen nehmen ihre weißen Kophörer aus den Ohren und blicken sich fragend an. War da was? Ich schaue durch das Zugfenster ins nächste Abteil. Ich sehe schwarze Haare und einen weißen Hemdrücken. Vorhang auf. Nächster Halt: “Bellevue”.

Beziehungen

Juli 7th, 2008

Am Freitag fand direkt gegenüber der Redaktion das “Frankfurter Allgemeine Forum” statt in den Räumen des Hauptstadtbüros der FAZ. Kissinger war da, Steinmeier war da, geredet wurde über transatlantische Beziehungen. Interessant zu beobachten war der Aufwand an Sicherheit, der getrieben wurde: Überall schwarze Wagen mit Blaulicht, Polizei und Personenschützer mit blauen Regenschirmen. Nur auf uns, auf die Leute am Fenster gegenüber im dritten Stock, auf uns haben sie nicht geachtet. Was wir hätten alles anstellen können! Ich komme mir seitdem überaus harmlos vor.

Protection

Betreten

Juli 2nd, 2008

Dieser alte Mann ist mir schon länger aufgefallen. Er sitzt gerne auf der Bank “Unter den Linden” Richtung Humboldt-Universität. Ich weiß nicht, ob er blind ist oder nur in Ruhe gelassen werden will. “Betreten bei Schnee und Glätte auf eigene Gefahr” steht auf dem Schild. Ob er das weiß? Ich traue mich nicht, ihn zu fragen, ich habe Angst vor betretenem Schweigen. “Im Grunde genommen sind es doch die Verbindungen zu Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben”, hat Wilhelm von Humboldt richtig gesagt. Vielleicht sollte ich mir einfach einen Ruck geben und ihn ansprechen.

Bank

expressiv

Juni 30th, 2008

Leben, Zwischenstand 30. Juli 2008: Der Polizist vor mir in der Bahn liest Peter Scholl-Latour. Im ICE pfeift ein Nymphensittich auf Platz 56. “Haben Sie vielleicht eine Tageskarte übrig?”, fragt der junge Mann am Hauptbahnhof. “Ich bin übrigens Ritter bei den Johannitern”, versucht der Weißhemdträger eine Frau zu beeindrucken, die gerne woanders wäre. “Halten sie die Karte bitte gut fest, sie fliegt sonst weg”, sagt die Bedienung. “Deutschland, Deutschland”, gröhlen die Betrunkenen. “Nee, gehen se mal vor, ick hab ja Zeit”, sagt der Rollstuhlfahrer vor der Supermarktkasse. Und der Bauarbeiter auf meinem Arbeitsweg war am Wochenende im Museum. Wenn ich Zeit finde, gehe ich da auch noch hin.

Bauarbeiter

Dienstagsfrage

Juni 24th, 2008

Die SPD liegt nach letzten Umfragen bei rund 20 Prozent, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Kurt Beck mit einer roten “18″ auf der Schuhsohle bei Anne Will auftritt. Und ich halte kurz inne und frage mich (rein hypothetisch): Kann ich mir eine Zeit vorstellen, in der es die SPD nicht mehr gibt? Ich meine, ich habe schon viel kommen und gehen sehen, von dem ich dachte, es sei für die Ewigkeit: Die DDR, die D-Mark, Helmut Kohl und Robbie Williams, um nur ein paar Beispiele zu nennen – aber die Sozialdemokraten? Das rote Kuchenstück? Ich bin damit aufgewachsen, ich habe Willy Brandt noch live gesehen in der Frankfurter Jahrhunderthalle, und, ja, mir würde etwas fehlen. Aber ich würde nichts vermissen – und das muss man als Partei erst einmal hinbekommen. Hm. Was für Gedanken man sich macht, wenn man jeden Tag am Kanzleramt vorbeikommt.

Halteverbot

Wras geht?

Juni 20th, 2008

Ich habe ein neues Wort gelernt: “Wrasen”. Die können sich bilden. Und dann kann es gefährlich werden – zumindest, wenn man im Schrank nicht lüftet. Ich habe außerdem gelernt, das “Wrasen” so etwas sind wie Schwaden, also Wasserdampf. Ich mag das Wort und werde es mir merken. Und ich mag, dass mir die Baustelle gegenüber jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit so nett zulächelt.

Wrasenbildung
Smile

Türkiye!

Juni 17th, 2008

Ein kleiner EM-Nachtrag: So sah es auf meinem Fernseher aus, als die Türkei gegen Tschechien gerade das 3:2 geschossen hatte – vor meinem Fenster explodierte währenddessen der Stadtteil (der ja quasi durch Hakan Balta, einem geborenen Charlottenburger, mit auf dem Platz stand). Die Explosion war kurz, aber heftig, eine Art Ausscheidensangstverpuffung. Dann strömten viele rotweiße Menschen aus den Häusern, sammelten sich in Autos mit Halbmondfahnen und zogen gen Kurfürstendamm. Den Rest kennt man wieder aus dem Fernsehen. Interessant ist übrigens die Geschichte des Autokorsos – hier bei Wikipedia. Dass ich am nächsten Tag um 8 Uhr arbeiten musste, steht da natürlich nicht.

EM Türkei Tschechien

Feuchtgebiete

Juni 16th, 2008

Regen ist am schönsten, wenn er vorbei ist – und das nicht nur, weil man wieder rausgehen kann ohne Mütze, Kaputze oder Schirm. Nein, es ist einfach schön, den Dingen beim Trocknen zuzusehen. Ich mag diese Ungleichzeitigkeit: Nasse Fußstapfen verbleiben auf ansonsten trockenem Beton, Vögel putzen sich in Kopfsteinseen, und auf das Glasdach, das ich aus der Redaktion sehen kann, hat es viele kleine Sonnen geregnet, die sich nun gegenseitig anstrahlen. In Berlin übrigens, so meine Erfahrung bislang, gibt es keinen Hamburger Regen – diese neblige Gischt, die einen durchtränkt, ohne dass man sie sieht. Hier regnet es richtig: auf Berliner, auf Touristen und auf die Stacheln vor meinem Fenster in Charlottenburg, die Tauben abhalten sollen, mich aber mehr beunruhigen als diese. Die Tauben sind leider im Vorteil: Sie bleiben einfach weg, ich wohne dort. Und komme mir ein wenig vor wie Bowser.

Trocknender Regen
Taubenabwehr

Oral history

Juni 3rd, 2008

Ich kann mich gut erinnern, wie ich an der Berliner Mauer stand, vor dem Brandenburger Tor. Ich weiß auch genau, wie ich zum ersten Mal durchgegangen bin. Und ich werde nie den Moment vergessen, an dem ich diesen Wurststand ;-) dort erstmals gesehen habe. Ein Ort, drei Mal deutsche Geschichte.

Wurst Brandenburger Tor Berlin

The World Go Around

Mai 27th, 2008

Direkt in der Nähe meiner derzeitigen Arbeitsstätte befindet sich das Internationale Handelszentrum – und davor ein Eurozeichen im Stile eines Superman-Logos. Jeden Morgen, wenn ich daran vorbei laufe mit meiner Bagel-Tüte in der Hand, frage ich mich, was das soll und wer es angebracht hat: Waren es Kapitalismuskritiker in subversiver Absicht, um die Allmacht des Geldes aufzuzeigen? Oder war es das Zentrum selbst, in einem Ausbruch von Humor, wie Banker ihn pflegen? Ich werde es wohl leider nie erfahren, aber ich rechne jeden Tag damit, dass es entfernt wurde – von den einen oder den anderen.

Euro
Geld