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Tokio (4)

April 7th, 2009

Nun soll es hier auch ein Ende haben mit Tokio – ich blogge ja schon länger darüber als ich dort war. Also: Hier noch einige Bilder und ein Video vom Rückflug. Wenn ich mich richtig orientiere, müsste das das Grenzgebiet zwischen Russland und China sein, hinter der Küste zum Japanischen Meer. Ich finde diesen Anblick jedes Mal wieder beeindruckend, diese faltige, unwirtliche Szenerie. Wie gerne würde ich mir das mal von unten ansehen und dann Fotos von vorbei fliegenden Flugzeugen machen. Straßen scheint es dort immerhin zu geben – manchmal durchzieht ein schnurgerader Strich die Landschaft. Ich war dennoch froh, als ich wieder in Frankfurt gelandet bin. Das Umsteigen in meinen anderen Flieger Richtung “Testzeile” hat auch reibungslos geklappt.

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Tokio (3)

April 6th, 2009

Ich kann mich immer noch nicht entscheiden, was süßer ist: japanische Kinder oder japanische Eichhörnchen. Gemeinsam haben sie jedenfalls, das sie mich beide anstarren. Manchmal rennen auch beide weg – wobei der Fluchtreflex auf Seiten der Eichhörnchen tiefer ausgeprägt scheint. Bei den Kindern habe ich das Gefühl, dass ich der erste Europäer sein könnte, den sie zu sehen bekommen. Das klingt nicht besonders wahrscheinlich, ich weiß – aber ich habe in den Tagen, in denen ich in Tokio war, außerhalb des Hotels genau vier weiße und einen schwarzen Nichtasiaten gezählt. Das kommt ungefähr hin mit meinen Beobachtungen die vergangenen Male, als ich Japan besucht habe. Was sich auch bestätigt hat: die Höflichkeit der Menschen dort (abgesehen davon, dass sie mich anstarren). Man kann auf Englisch immer jeden Passanten nach dem Weg fragen – und wo sich viele hierzulande schulterzuckend abwenden würden, wenn sie die Antwort nicht wissen, die außerdem in einer Sprache gestellt wurde, die sie kaum sprechen, reagieren Japaner mit einer unglaublichen Geduld und Beflissenheit. Sie versuchen, mich zu verstehen. Sie sammeln die letzten Brocken Englisch zusammen, um mir zu antworten. Und falls das nicht klappt, suchen sie so lange jemanden, der mir helfen kann, bis sie einen finden. Die vielen Japaner, die Deutschland besuchen, müssen sich vorkommen wie in einem Land voller Barbaren. Das nächste Mal lasse ich auch nicht locker, wenn ein Japaner mich nach dem Weg fragt. Und wenn ich ihn dahin bringen muss, wo er hin will (was mir beim letzten Mal in Japan sogar passiert ist).


Tokio (2)

April 2nd, 2009

Es war ein glücklicher Zufall, ausgerechnet zu der Zeit in Japan zu sein, wenn die Kirschbäume zu blühen beginnen. Und wer wie ich mit einer hohen zweistelligen Zahl an Kirschbaumblütenfotos zurück kehrt, der muss sich dabei nicht maßlos vorkommen – schließlich sind auch die Japaner ganz verzückt von ihren Bäumen. Jedenfalls gibt es derzeit wohl kaum einen Baum, dessen Blüte nicht mit dem Handy fotografiert wurde. Dass ich diese Bäume im Inokashira-Park gesehen habe, freut mich auch aus einem anderen Grund sehr: Ich habe, um hinzukommen, das U-Bahn-System in Tokio gemeistert. Ich habe herausgefunden, wie viele Yen eine Strecke kostet und an welchem der bunten Automaten ich das Geld zahlen muss – und am Ende habe ich es sogar geschafft, da anzukommen, wo ich wollte, also: Einsteigen in Roppongi, mit der Odeo-Linie nach Yoyogi, da umsteigen in die JR-Line nach Nakano, dort auf den nächsten Zug warten, nach Mitaka fahren, aussteigen und einen Kilometer laufen. Umgehauen hat mich dann der See im Park, auf dem viele japanischen Pärchen in riesigen Schwänen dem Ende ihrer Beziehung entgegen paddeln. Wie ich später erfahren habe, gelten die Plastikschwäne auf dem See nämlich als verflucht: Wer damit fährt, der wird sich bald trennen. Ob die Paare trotzdem oder deswegen in so großer Zahl über den See paddeln, werde ich wohl nie erfahren. Die zweite Lieblingsbeschäftigung der Japaner am See übrigens: sich in Gruppen hemmungslos zu betrinken. Vielleicht sind das alles die Opfer des Fluchs: Männer, die schwanbedingt ihre Freundinnen verloren haben und nun Trost in Bier und Sake suchen. Verstehen kann man sie. Es muss schwer sein, unter Kirschblüten zu trauern.






Tokio (1)

April 1st, 2009

Ich bin wieder zurück aus Tokio, diesem riesigen Dorf, das keinen Schlaf zu brauchen scheint und in dem man niemals alleine ist. In dem es alles zu kaufen gibt, das ich mir vorstellen kann – und so vieles, von dem ich nicht einmal geahnt habe, das es so etwas gibt. Ich weiß nicht, ob ich dort leben könnte, aber immer wieder zieht es mich hin. Und nicht nur nach Akihabara, der “Electronic City”, die bis unter den Himmel angefüllt ist mit Videospielen und Bauteilen und Nerds. Ich mag ganz Tokio mit all seinen schönen und hässlichen Seiten. Denn diese Stadt ist nicht nur anders als alle anderen Städte, die ich kenne – das “andere” ist auch in sich immer wieder verschieden. Eben noch steht man unter neonblinkenden Hochhäuseren, es ist laut und Menschen drängen sich an einem vorbei, doch ein paar Straßen weiter ist Tokio ruhig und dörflich, und die Millionen um einen herum sind nicht mehr zu spüren. Apropos Dorf: Da würde ich das nächste Mal gerne hin und das richtige Japan sehen und fühlen, die Natur und das weniger rastlose normale Leben. Ich hoffe, das schaffe ich noch irgendwann einmal. Und wenn ich dafür japanisch lernen muss.