Blog

Peking

Mai 28th, 2009

Vielleicht liegt es an mir, vielleicht am Vergleich mit Shanghai, ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Ich mag Peking nicht. Und ich könnte das auch begründen mit der Unfreundlichkeit der allermeisten Menschen, denen ich hier begegnet bin (besonders der Taxifahrer) oder damit, dass es hier viel zu viel Polizei gibt (an manchen Orten stehen an jeder Straßenecke gleich zwei). Ich könnte erzählen davon, wie betonschleiernd die Stadt ist und wie viele altcharmante Viertel abgerissen werden zu Gunsten des Fortschritts (oder abgerissen wurden wegen der Olympischen Spiele) und ich könnte viel sagen darüber, wie hier allerorts Menschen reguliert und in Formation gepresst werden – aber das alles wäre vielleicht nicht gerecht, denn vielleicht haben die hier Lebenden zu viele schlechte Erfahrungen mit Ausländern gemacht, vielleicht ist die Stadt auf einem guten Weg in die Zukunft und die Menschen tauschen das Altcharmante gerne ein gegen fließendes Wasser. Und vielleicht habe ich auch gar nicht das Recht, zu urteilen, der ich hier mit meinem Mac sitze und genieße, wie billig das Bier ist und das gute Essen. Außerdem würde all das nicht mein Gefühl treffen. Ich bin nicht in der Lage, wirklich zu beschreiben, warum ich mit Peking nicht warm werde. Ich mag die Verbotene Stadt, auch wenn kaum mehr Leben in ihr ist. Ich habe den Platz des Himmlischen Friedens betreten und mich ganz kalt gefühlt. Ich war noch nie so nah davor, Mao zu sehen (aber der hatte schon zu). Und ich weiß: Das gibt es nur hier, in Peking. Ich weiß aber auch: Morgen schaue ich mir die Chinesische Mauer an und die Gräber der Ming-Kaiser. Auf beides freue ich mich sehr. Und danach fliege ich zurück nach Shanghai – und darauf freue ich mich auch.