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Weitergedacht

September 15th, 2011

Schön

Mai 20th, 2011

Es gibt immer wieder schöne Momente im Leben, unvorhergesehen schöne und erhofft schöne. Verantwortlich für einen unerwartet tollen Moment war in dieser Woche ein Busfahrer. Ich stieg bei ihm ein und sagte “Pferdemarkt… ist das Kurzstrecke?” – eine Frage, die über 50 Cent mehr oder weniger entscheiden würde. Er sagte: “Erst ab nächster Station. Vielleicht warten Sie noch ein bisschen?” Und dann fuhr er los. Fuhr bis zur Ampel. Fuhr an der Laeiszhalle vorbei. Dann zu den Gerichten. Dann hielt er neben der Bushaltestelle an. “Einsdreißig.” “Danke.” “Da nicht für.” Fertig war der unerwartet schöne Moment. Und er war nicht wegen der gewonnen 50 Cent schön, sondern – nun, das muss ich nicht erklären. Und der erhofft schöne Moment? Das war eigentlich mehrere. Eine Vielzahl von Momenten in dieser Woche. Und ich werde nicht davon erzählen. Wer dabei war, wird vielleicht wissen, was ich meine. Das jedenfalls wäre schön.

Dreiklang

März 16th, 2011



Hanger Mouse

Februar 13th, 2011

Haltestelle

Februar 2nd, 2011

Wenn man sich direkt davor stellt, wir einem schwummrig, schwindlich, schleierhaft. Besonders in der Nacht, wenn vorneweißhintenrotleuchtende Autos außerhalb des Blickfelds vorbei rauschen, den Kies, dem der Schnee vorausgegangen ist, sich selbst gegen den Bauch schlagend. Das Auge hat nichts, an dem es sich festhalten könnte, und auch während des kurzen Moments, in dem der Fluss sich staut, kann es nichts erkennen außer Rot, Weiß, Gelb, Blau und Schwarz. Es rauscht in Ohren und Augen, Sinne streben nach Sinn. Dann, mit einem Mal, seufzt ein Bus und kommt zum Stehen. Türen atmen ein und öffnen sich. Nun gilt es, einzusteigen. Vier Stationen. Ausatmen.






Bär in Öl

Januar 26th, 2011


2010

Dezember 30th, 2010


Advent

Dezember 5th, 2010


Bijou

November 20th, 2010



Erfundstücke (2)

November 19th, 2010

Rentner A trifft Rentner B. A hat einen Kasten mit einem Puzzle unter dem Arm. „Guten Tag“, sagt A. B sagt: „Immer wenn es Herbst wird, fängst du zu puzzlen an.“ „Irgendwer muss die Welt doch wieder zusammen setzen, wenn sie um einen herum zerfällt“, denkt A, sagt aber: „Irgendwie muss man die dunklen Abendstunden ja rum bekommen, bevor es endlich Nacht wird.“ „A und seine Sprüche“, denkt B und sagt: „Du und deine Sprüche.“ Und: „Was ist denn das Motiv?“ A hält ihm die Packung hin. Darauf zu sehen ist eine hellblaue Fläche, sonst nichts. 1000 Teile Hellblau. „Und was soll das sein?“, fragt Rentner B. „Alles“, sagt Rentner A, „und nichts. Was siehst du?“ „Hellblau“, antwortet B, „mehr nicht.“ „Du kannst alles darin sehen, was dir in den Sinn kommt“, sagt A, du musst dem Bild nur nahe kommen. Dann siehst du vielleicht die Schwungfeder eines Wellensittichs oder den Himmel, wie er sich im Mittelmeer spiegelt. Vielleicht auch den hellblauen Strich eines Filzstifts oder die Wurzel der Flamme eines Feuerzeugs, da wo sie am heißesten ist.“ A lächelt. B lächelt auch, aber sein Lächeln ist ein anderes. Die beiden verabschieden sich hastig und höflich. Warum A mit nur 999 Teilen Hellblau zu Hause angekommen ist, weiß ich nicht.

Ohne Titel

November 10th, 2010


Die schönste Toilette

November 4th, 2010

der Welt befindet sich in der Hamburger Caffamacherreihe, Ecke Speckstraße. Es ist die der Jupi Bar im Gängeviertel. Nein, sie ist nicht besonders sauber, selbst früh am Abend. Frauen müssen Männern beim Pinkeln zuhören. Und manchmal fehlt Toilettenpapier (aber man findet meistens noch welches im Schränkchen unter dem Waschbecken – das als Tipp). Soweit, so oft auch an anderen Orten vorhanden. Das besondere an dieser Toilette ist: Sie sieht selten so aus wie beim letzten Besuch. Immer hat jemand etwas zurück gelassen – und zwar keine Aufkleber von Bands, Demonstrationen, USP oder Supporters. Sondern Pinsel. Farben. Einen Kommentar zur Lage der Welt, ein leerer Edding liegt auf dem Boden. Und auch ein paar Treppenstufen höher verkleidet sich die Bar immer wieder neu. Manchmal malen Kinder ihre Bilder, mal spielt jemand Gitarre oder Klavier, bis er keine Lust mehr hat. Es wird über Politik diskutiert, manchmal zeichnet Licht das rote Logo des Gängeviertels an die Wand. Franzosen reden französisch, Portugiesen trinken noch einen Wein, und daneben sitzt Juli und repariert ein Buch. Das alles geschieht über dieser Toilette, und manchmal dringt sogar der Klang des Oben nach unten. Ist das Leben oder kann das? Das ist Leben, und das kann was. Wann wurde eigentlich das Handtuch zum letzten Mal gewaschen?



Wunschbild

Oktober 20th, 2010

Erfundstücke (1)

Oktober 16th, 2010

“Und was machen wir jetzt?”, fragt Sina. Es ist spät. Morgen ist Mittwoch. “Lass uns doch noch zur Tanke laufen, was zu trinken kaufen”, sagt Sinus. Beide halten das für eine gute Idee und machen sich auf den Weg. Schwankend laufen sie die Max-Brauer-Allee entlang, sie wanken aufeinander zu und wieder fort, sie berühren sich nicht. Die Tanke hat kein gekühltes Bier mehr, es gibt nur noch Sekt, Schnaps und Prosecco. “Prosecco?” fragt Sina. Sinus lächelt. Prosecco also. Er zahlt. Der Tankwart lächelt. Als sie wieder draußen stehen im kalten Herbst, öffnet er die Flasche. Er ist nicht besonders geschickt. Sina lächelt und zündet sich eine Zigarette an. Der Wind hat gedreht. “Weißt du, was ich immer schon mal wissen wollte?”, fragt sie. Er zieht die Augenbraunen hoch. “Ob ich so schnell rennen kann, dass der Blitzer an der Stresemannstraße auslöst”, sagt sie. Sinus lacht. “Das geht doch gar nicht”, sagt er. “Lass es uns versuchen”, sagt Sina, “bitte”. “Ok”, sagt er, inzwischen ist auch die Flasche offen, und die beiden gehen los, an der Autowaschanlage, am Waagenbau und an der Astrastube vorbei und unter der Sternbrücke durch, über die gerade ein Güterzug rattert. “Da vorne ist schon der Blitzer”, ruft Sina und beginnt zu rennen. Sinus, die Prosecco-Flasche in der Hand, bleibt stehen und schaut ihr nach. “Was für eine unglaublich tolle Idee”, denkt er, und: “was für ein sinnloser Versuch.” “Das würde sie doch noch nicht einmal mit dem Rad schaffen”, murmelt er noch – und dann beginnt auch er zu rennen, Prosecco schwappt aus der Flasche auf den Asphalt. Er holt sie nicht ein. Sie rennt und rennt und bleibt kurz hinter der Radarfalle keuchend stehen. “Hast du den Blitz gesehen?”, fragt sie, als er sie erreicht. Es verstreicht keine Sekunde, bis Sinus antwortet. “Ja, klar”, sagt er, “ein schnelles rotes Leuchten. Unglaublich. Du hast es wirklich geschafft!” “Du bist süß”, sagt sie. “Du auch.” Dann streicht er ihr mit seiner Hand über die Haare. Sina lächelt. Sie schauen sich zu lange in die Augen, und dann beginnen sie zu lachen. So laut und so lange, dass der Blitzer ausgelöst hätte, wäre Lachen hier verboten. Dann setzen sie sich auf den Bürgersteig und lehnen sich an die Hauswand. Es ist spät. Sinus trinkt einen Schluck und reicht ihr die Flasche. Sina zündet sich eine Zigarette an, Rauch weht über ihre Haare. Der Wind hat gedreht. Was danach geschehen ist, weiß ich nicht.

Easy

Oktober 10th, 2010