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obrigadodange

Januar 4th, 2008

Plakat art
Eingeschweißter Hund

Sylvester ist die Katze

Dezember 31st, 2007

Die letzten Stunden des Jahres. Zeit für Vorsätze. Ich will wie viele Menschen ein paar Dinge ändern. Ballast abwerfen, Freiraum schaffen, ich verabschieden, begrüßen, stehenbleiben statt zu rennen, mir merken, wie man “Silvester” schreibt. Da genügen machmal ein paar Kleinigkeiten, Feinjustierungen. Denn Kleines hat oft große Auswirkungen. Ich weiß, das ist banal. Aber deswegen ist es nicht falsch. Ich habe vor kurzem ein Interview mit der Hamburger PunkbandTarantula Krise” gelesen, in der die Band gefragt wird, wie sie auf ihren Namen gekommen sei – und Sänger Sibbe sagt:

Ein Sachbearbeiter der Hamburger Sparkasse hatte vor ein paar Jahren die Möglichkeit, darüber entscheiden zu können, ob ich einen Dispokredit gewährt bekomme. Er hieß “T. Krise”, zumindest stand das auf seinem Namensschild. Und so hat sich das ergeben.

Mach es gut, 2007. Ich wünsche allen, die auf diese Seite stolpern, einen guten Start in ein gutes neues Jahr. Passt auf Euch auf – und versucht 2008 möglichst oft glücklich zu sein!

Augen auf und durch

Dezember 30th, 2007

Es war kein gutes Wetter, ich war heute nicht außerordentlich gut gelaunt, und dennoch bin ich rausgegangen und habe die Kamera mitgenommen. Wie immer hat es sich gelohnt, und ich bin mit reicher Beute zurückgekehrt. Es gibt so viel zu entdecken, und das gerade in Straßen, die man regelmäßig durchquert. Wie fruchtbar es ist, kein Ziel zu haben und nicht erwartet zu werden.

Heinz-Erhardt-Baum
Verkehrsschild
Hofeingang

Was ich sicher weiß (5)

Dezember 30th, 2007

81. Es war eine schöne Zeit.
82. Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unsere neun
83. Briefkästen können sich an Hauswände schmiegen.
84. Ich will nicht kalt werden, nur weil das Leben es so will.
85. Da ist mehr, als wir wahrnehmen können.
86. Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin.
87. Der Körper erinnert sich an alles.
88. Ich will nie wieder keinen Balkon haben.
89. Katzen können genervt klingen.
90. Es gibt Leute, die lachen sich nach oben.
91. Aller besten Dinge sind eins oder mehr als drei.
92. Roger Cicero werde ich nicht mögen lernen können.
93. Ich fahre gerne mit der Leeze, auch wenn es meimelt.
94. Im Fernsehen gibt es zu viele beiläufige Tote.
95. Links, nicht rechts.
96. Freiheit liegt manchmal schlaflos im Bett.
97. Bakterien haben keinen Zellkern.
98. Ziele und Wünsche zu haben muss man erst lernen.
99. Ein Grab zu besuchen kann sein wie nach Hause zu kommen.
100. Manchmal weiß ich die einfachsten Dinge nicht.

Starkes Beruhigungsmittel

Dezember 29th, 2007

Endlich fertig mit einkaufen. Ich habe jetzt so viel in der Küche und dem Kühlschrank, dass ich dieses Jahr nur noch freiwillig das Haus verlassen muss. Das ist ein gutes Gefühl. Glückskekse habe ich auch noch, aber davon werde ich 2007 keine mehr essen. Drei Stück waren es gestern. Mein Lieblingssatz:

You will get it all done.

Auf den andern beiden stand “You will always get what you want through your charm and personality” und “Whatever arrangements you make are apt to be final”. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

15 Minutes

Dezember 28th, 2007

15 Minutes

Das geilste Volk der Welt

Dezember 27th, 2007

Es ist äußerst bedauerlich, dass nicht nur Deutsche leben auf der Welt. Denn dann gäbe es nur gute Menschen, überzeugte Demokraten und aufmerksame Mitbürger. Alle hätten Respekt füreinander und dürften sich alle vier Jahre eine neue, gute Regierung wählen. Es gäbe keine Ausländer mehr und damit endlich auch keine Ausländerkriminialität. Noch besser wäre die Welt dran, wenn es nur noch ältere Deutsche gäbe, dann fielen nämlich auch die ganzen “migrationsstämmigen Jugendlichen” weg, die nichts gelernt haben außer kriminell. So wie der Türke Serkan (20) und der Grieche Spiridon (17), die mutmaßlich dabei gefilmt wurden, wie sie in München einen wehrlosen deutschen Rentner auf die widerlichste Weise zusammengetreten haben. Nun könnte man sich fragen, was junge Menschen dazu bringt, wegen eines kleinen Streits einen anderen fast umzubringen. Oder wie es um Medien bestellt ist, die dem wehrlosen Mann rund um die Uhr in den TV-Nachrichten wieder und wieder in Zeitlupe den Schädel brechen. Man könnte sich fragen, warum sich die Täter so weit außerhalb dieser Gesellschaft sehen, dass sie ihr Opfer als “Scheiß Deutschen” beschimpfen. Man könnte sogar “migrationsstämmige Jugendliche” selbst fragen, wie es ist, von der Mehrheit ausschließlich als Problem gesehen zu werden – in der Schule, in der Disco, in der Fußgängerzone. Doch alles passiert selten. Der Diskurs dreht sich nur darum, dass die Täter keine Deutschen sind (wobei es egal wäre, wenn sie einen deutschen Pass besäßen, denn wer Serkan heißt, kann nach herrschender Haltung nie Deutscher sein). Der Boulevard schlachtet das Thema aus, weil Ressentiments ein paar Zeitungen mehr verkaufen, Politiker fordern entweder längere Haftstrafen oder wollen Serkan A. schnellstmöglich abschieben; sie meinen: in die Türkei. Was die Türkei mit Straftätern anfangen soll, die 20 Jahre lang hierzulande zu solchen ausgebildet wurden, sagen sie nicht. Müssen sie auch nicht. Hauptsache weg. Außerdem weiß doch jeder Deutsche, dass “die dort” nicht lange fackeln mit Kriminellen – schließlich erinnert sich jeder gut an den kollektiven Glücksrausch, als vor Weihnachten einer von uns aus der Türkei heimkehrte, dem dort wegen des Vorwurfs der Vergewaltung der Prozess gemacht Unrecht widerfahren war. So gesehen, muss ich mich für meine Naivität entschuldigen. Denn natürlich würde zumindest den Deutschen in der Welt etwas fehlen, wenn es nur noch Deutsche gäbe: die armen Nichtdeutschen unter ihnen.

Edit 28.12.: Heute BILD gucken. Und daran erinnern, wenn wieder Häuser brennen. “Wir haben zu viele kriminelle Ausländer”, sagt Sympathieträger Roland Koch – er äußert also, was die BILD hören will, wenn sie ihn als erstes fragt: “Muss man nach dem Überfall von München nicht fragen, ob man als Deutscher im eigenen Land noch sicher ist?” Und “Es gibt bei Gewaltdelikten die Kategorie ‘ausländerfeindlicher Hintergrund’. Brauchen wir eine Kategorie ‘deutschfeindlicher Hintergrund’?”. Ach, wie gern der Deutsche Opfer sein möchte. Apropos: Vorsicht vor den Polenböllern!

Rettet die Rathausuhr!

Dezember 26th, 2007

Heute ist der letzte Weihnachtsfeiertag.

Und ich habe (wie jedes Jahr seit 15 Jahren am 25.12.) etwas ganz Wundervolles getan: Alle drei Teile von “Zurück in die Zukunft” hintereinander gesehen! Mein Kopf schwirrt also vor Flux-Kondensatoren, McFlys und DeLoreans. Die Idee, in die Vergangenheit reisen zu können, fand ich schon als Kind faszinierend: vor Ort (also: vor Zeit) zu erleben, wie es wirklich gewesen ist im alten Jerusalem, in Ägypten oder im Berlin der Zwanziger. Ich habe – wie Doc Brown – Jules Verne verschlungen, aber beeindruckt hat mich auch ein Buch von Johanna von Koczian: “Abenteuer in der Vollmondnacht” heißt es, darin macht ein kleiner Junge eine Zeitreise und trifft unter anderem Mozart. An “Zurück in die Zukunft” mag ich aber auch, dass sich zumindest der erste Zeil so unglaublich nach “Achtzigern” anfühlt und ich damals natürlich gerne so cool gewesen wäre wie Michael J. Fox. Die heutige Technik ermöglicht zumindest eine kleine Reise zurück: Ich kann einfach so tun, als würde ich seit 15 jahren die Filmtrilogie traditionell zu Weihnachten komplettgucken. Einfach einen Blogeintrag erstellen, und, wie das in meiner Software so schön heißt, den “Zeitstempel bearbeiten”, und schon existiert ein Eintrag von 1987. Dass der nicht echt sein kann, erschließt sich daraus, dass es damals die Teile 2 und 3 noch nicht gab. Egal. Ich habe auch Einträge für 2054 vorgeschrieben – bitte dann nicht erschrecken!

Abend (Hlg.)

Dezember 24th, 2007

Einen herzenswarmen Heiligen Abend wünsche ich allen Freundinnen und Freunden, Bloglesern und Blogschreibern, Verwandten, Halbindianern und Schwaben, Katern und Katzen, St. Paulianern und Werderanern, Darmstädtern, Karlsruhern, Münsteranern und Munsterinnen, Rittern und Landgrafen, sowie allen Suchenden und Findenden zwischen Altona, der Belle Alliance und San Francisco.

23

Dezember 23rd, 2007

Es ist einen Tag vor Heilig Abend, und im Halbstundentakt erreichen mich SMSe von Freunden, die gerade im Auto oder im Zug auf dem Weg zu ihren Lieben sind. Da ich diese Weihnachten zu Hause bleiben werde und also recht entspannt die kommenden Tage erwarten darf, schicke ich diesen Pilz all jenen, die heute unterwegs sind, unterwegs sein sollten oder sogar arbeiten müssen. Der Pilz ist ein guter Pilz: Er gibt Kraft zurück, die man in all den Kämpfen verloren hat, die man kämpfen musste.

Powerpilz

Schnö from outer space

Dezember 22nd, 2007

Es hat geschneit über Nacht! Aus der kleinen Tonkugel auf meinem Balkon ist eine Schneekugel geworden, und das schmiedeeiserne Eichhörnchen, das auf dem Rücken liegt und eine kleine Schale mit Wasser für die Blaumeisen balanciert, ist mit weißen Flocken bedeckt. Die Sonne scheint, und die vielen Menschen auf den Straßen sind merkwürdig sanft, als hätten sie alle zum Frühstück “Der kleine Lord” gesehen. Ich musste aus verschiedenen Gründen in die Stadt, und dass es heute ein besonderer Tag werden würde, begann ich zu ahnen, als ich zwei Filme in die Videothek zurückgab und das Schild “Kein Zutritt unter 18 Jahren” entdeckte – an der Innenseite der Eingangstür! Ich muss also fortan im Alltag verstärkt nach Jugendgefährdendem Ausschau halten, bislang ist jedoch noch wenig passiert.

Schneekugel

In meiner Küche brodeln derzeit zwei Töpfe voller Brühe und Suppenfleisch. Denn wie immer um Weihnachten herum mache ich nämlich Grünkern-Eintopf. Und zwar reichlich für die kommenden kalten Monate. Meine kleine Tradition. Neu in der Küche ist das außerirdische Ding da unten, das nur durch ein rotes Laserenergie-Netz davon abgehalten werden kann, die Weltherrschaft zu übernehmen. Es hört auf den Namen “Pomelo”, und ist anscheinend eine Art Pampelmuse bzw. Grapefruit. Es wird darüber gestritten, ob man die Frucht roh essen kann. Soll süß schmecken. Mal sehen. Ich bin so gespannt!

Pomelo

Keep wildlife wild.

Dezember 21st, 2007

Zapfen

Freie Platzwahl

Dezember 20th, 2007

Es ist bislang eine Woche der Zeitreisen: Am Wochenende habe ich mir alte Fotos angesehen, gestern hatte ich ein langes Gespräch über freiere Geschlechterrollen in den achtziger Jahren, gerade komme ich vom Konzert von Empty Trash aus dem Knust (wo DSDS-Deserteur Max Buskohl sich bemüht hat, sein Bild eines Rockstars mit Leben zu erfüllen), im Moment spielt auf Pro7 Boris Becker gegen John McEnroe – jeder Mensch, jedes Ding und jeder Gedanke scheint seinen festen Platz in der Geschichte eingenommen zu haben und ist zitierfähig geworden: Ich zitiere immer wieder frühere Situationen, Buskohl zitiert Vorbilder wie Robert Plant (so wie Alt-Plant derzeit Jung-Plant zitiert), Becker und McEnroe imitieren Becker und McEnroe. Was mich freut: Wenn aus all dem Festgefassten etwas Neues, vielleicht sogar Kunst entsteht. Wenn Kunst diese festen Plätze hellgrell ausleuchtet oder wenn sie Dinge, Menschen und Gedanken gewaltsam an einen anderen Platz und in andere Zusammenhänge verrückt – so wie sich nun dieser in Form getackerte Baum an der Mauer des Buddhistischen Zentrums in der Thadenstraße im Zusammenhang dieses Blogeintrags wiederfindet (bzw. sein Abbild):

Thadenstraße

Dinge aus ihrem Zusammenhang zu reißen und sie neu zu komponieren oder in eine neue Ordnung / Freiheit zu überführen, ist mein Beitrag. So wie dieser Ausriss aus einer Plastiktüte des Kaufhauses “Hertie”, das in den Neunzigern mit dem Slogan “Gut ist uns nicht gut genug.” geworben hat. Dieses filetierte “NICHT” mit seinem PUNKT, diese Negierung des “Eigentlich Gemeinten” begleiten mich seit mehr als einem Jahrzehnt, und wir beide mögen uns immer noch. Was daraus entsteht? Vielleicht keine Kunst, aber immerhin ein weiterer Gedanke, der seinen Platz gefunden hat.

Nicht.

I wish that I could

Dezember 19th, 2007

Langsam wird es draußen selbst für mich zu klamm, und es gibt Tage, da könnte ich mir schon nachmittags um 15 Uhr die Decke über den Kopf ziehen und einschlummern, ohne das Gefühl zu haben, etwas von dem restlichen Tag zu verpassen. Liegt an der Jahreszeit, liegt an der Schwere über dem Land, liegt auch daran, dass sich gestern ein lieber Kollege verabschiedet hat, er mir sehr fehlen wird. Kalt, dunkel, ohne Ulf – das ist sehr viel auf einmal. Da brauche ich sehr, sehr oft meine derzeitige Lieblingsmusik von Herman Düne (oder “Dune”, das weiß ich immer noch nicht genau, jedenfalls ist er Schwede). Der hat ein Lied geschrieben, das I wish that I could see you soon heißt. Ein trauriges Lied, ein glückliches Lied, derzeit mein Sonne-in-mein-Herz-Lied. Hier gibt es ein wundervolles Video (und ein Making Of) und hier den Text zu lesen, seine Platte heißt “Giant“. Sie ist das hellste Vergnügen und macht glücklich, versprochen. Selbst um drei Uhr allein unter der Decke.

Ruhe.

Dezember 17th, 2007

Ein Nachtrag: Ich war am vergangenen Freitag am Millerntor, beim Spiel FC St. Pauli gegen Mainz 05. Ausgegangen ist es 1:0, was mich sehr freut, bedeutet das doch solide 22 Punkte zur Winterpause. Beeindruckt hat mich jedoch etwas völlig anderes. Es gab vor dem Spiel nämlich eine Schweigeminute zu Ehren des kürzlich verstorbenen Werner Pokropp, einem ehemaligen Spieler und Funktionär des Vereins. Und fast jeder der 17.800 anwesenden Zuschauer (bis auf einen, der auf der Haupttribüne husten musste) war wirklich eine Minute lang still. Kein Räuspern, kein kurzes Auflachen, nichts. So ruhig ist das Millerntor nicht einmal, wenn es leer ist, so groß und raumgreifend still, als hätte jemand den Ton abgestellt. Kein Laut nicht einmal aus der Gästekurve, eine Minute lang, bis zum Anpfiff des Schiedsrichters. So etwas habe ich noch nie erlebt. Danke Mainzer, das war sehr, sehr ergreifend.