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LA (2)

Juni 19th, 2010






LA (1)

Juni 18th, 2010







Bremsweg 49

April 14th, 2010

ICE
Fall
CCTV
Fahrstuhl
HBf
Katze
Happiness

Barcelona (2)

März 27th, 2010

Was mich an Barcelona mit am meisten beeindruckt hat, ist der Plaça de Catalunya. So viele Tauben auf einem Platz habe ich noch nie gesehen. Schwärme von Tauben, die von einer Stelle zur anderen fliegen, wenn ein Mensch nur erahnen lässt, dass er vielleicht gleich Futter aus seiner Tasche holen könnte. In einem Moment pulken die Vögel am einen Ende des Platzes, und einen Taubenblick später flattern sie schon zu einer andern Stelle. Und dann geht das Krallen und Flügelschlagen los, ohne Rücksicht auf den Nebenvogel. Dabei müssten sie alle schon satt sein, bei so vielen Futterspendern. Tauben verhalten sich also wie Menschen bei Hamsterkäufen: als würde es morgen nichts mehr geben. Wahrscheinlich steckt bei Menschen, Tauben und Hamstern derselbe Trieb dahinter. Ich hätte gerne nachgefragt– aber ich spreche leider kaum spanisch.

Tauben 1
Tauben 2
Tauben 3
Tauben 4
Tauben 5
Tauben 6
Tauben 7
Tauben 8
Tauben 9

Barcelona (1)

März 18th, 2010

Immer noch ganz berauscht von dem gestrigen Spiel des FC Barcelona habe ich ein paar Fotos zusammen gesammelt von meinem Besuch in Barcelona vor einigen Wochen – als es in Hamburg noch kalt und verschneit war und in Barcelona bereits etwas wärmer. Ich war zuvor noch nie in Barcelona und muss sagen: Das ist eine interessante Stadt. Ein wenig verrückt (unter anderem natürlich wegen Gaudí) und voll, ohne hektisch zu wirken. Und mit gutem, teuren Essen. Und da man ja immer etwas lernt auf Reisen, hier meine Top 10:

  1. Antoni Gaudí wurde vor seiner Sagrada Família von einer Straßenbahn überfahren.
  2. Ich mag den neuen Teil der Sagrada Família lieber.
  3. Ich mag Wörter und Namen mit í.
  4. Das Stadion Camp Nou ist beeindruckend, sieht aber von innen noch mehr wie ein Parkhaus aus als die HSH Nordbank Arena (was unter anderem daran liegt, dass dort wirklich Autos parken). Gänzlich erstaunlich: Man wird nicht einmal abgetastet beim Reingehen, und auch in die Rucksäcke schaut niemand.
  5. Ich liebe Botifarra. Das ist eine katalanische Wurst, die es wohlschmeckend angebrannt und im Ciabatta-Brötchen im Stadion des FC Barcelona gibt, zubereitet von netten Damen, die zu giggeln beginnen, wenn ein Gast größer ist als 1 Meter 80.
  6. Ein Kühlschrankmagnet des FC Barcelona kostet 3,50 Euro. Ein Milchkaffee auch.
  7. Zwei Drittel aller männlichen Spanier, mit denen ich geredet habe, hießen Carlos.
  8. Bist du ein Kaktus im Parc Güell, hast du einen Namen – aber es ist nicht dein eigener.
  9. Nirgendwo sonst auf der Welt habe ich so viele Straßenkünstler gesehen. Welche, die mit dem Ball jonglieren wie Ronaldinho oder Messi. Welche, die aussehen wie von Gaudí gestaltet. Männer ohne Kopf, aber mit Brille. Engel. Teufel. Fantasy-Figuren.
  10. Japaner freuen sich sehr, wenn man die selbe Kopfhörer-Marke trägt wie sie. Ich glaube, sie haben sogar ein Foto von mir gemacht. Wahrscheinlich arbeiten sie für die Firma.

Sagrada Familia 1
Sagrada Familia 2
Okupa y resiste
Kakteen
Sol
Olympiagelände
Barcelona
Barcelona
Barcelona
Barcelona
Gaudi 1
Gaudi 4

Cambridge, MA (2)

September 3rd, 2009

Jetzt bin ich schon eine Woche wieder hier, höchste Zeit also für ein paar letzte Eindrücke aus Cambridge. Hier regnet es gerade, und wahrscheinlich ist es auch an der Ostküste der USA kühler geworden, dennoch wird mir die Stadt immer als heiß und ein wenig feucht in Erinnerung bleiben – so wie viele Touristen Hamburg als regnerischen, grauen Ort beschreiben werden. Cambridge wird für mich außerdem immer die Stadt bleiben, in der mich ein Feuerwehrmann gefragt hat, ob ich mich nicht einmal in seinen roten Wagen setzen mag (nun gut, vielleicht habe ich ihn zuvor auch etwas zu lang angestarrt, als dass er mich einfach so hätte weiter laufen lassen können); er hat mir sogar den Funk und die Martinshörner angemacht – nur fahren durfte ich leider nicht. Ich könnte jetzt also “ein Mal in einem amerikanischen Feuerwehrwagen sitzen” von meiner Was-ich-unbedingt-machen-will-Liste streichen, würde ich eine solche Liste führen. Desweiteren könnte ich nun “aus Trotz nicht zu Starbucks gehen” und “mich wieder einmal im Supermarkt fühlen, als käme ich vom Dorf” abhaken. “Im Paradies zu Lebzeiten ein Bier trinken” habe ich leider nicht geschafft, obwohl es geöffnet war. Und das ist im nachhinein schade, wie ich finde.



Das Spannende und natürlich auch etwas Bedenkliche an den Vereinigten Staaten ist, dass man auf Schritt und Tritt gezeigt bekommt, wo man sich befindet. An die Vielzahl der USA-Fahnen kann ich mich auch nach dem x-ten Besuch nicht gewöhnen. Für die Amerikaner ist das natürlich normal, weswegen sie stets ein wenig verwundert schauen, wenn man ein Foto davon macht. Diese Flagge hängt am Flughafen von Boston. Der ist zwar nicht besonders groß, dafür hat sich der Architekt große Mühe gegeben, ein Gebäude voller strenger Formen und Linien zu erschaffen; die Besucher sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, es könnte sich dabei um einen Ort zum Verweilen handeln. Nein, das hier ist ein An- und Abort, ein Filter zwischen der Welt da draußen und den USA. Wahrscheinlich reinigen sich die Wände nach Betriebsschluss sogar selbst.


Cambridge, MA (1)

August 25th, 2009

Ich scheine derzeit hier nur etwas schreiben zu können, wenn ich im Ausland bin. Und ich kann nicht genau sagen, woran das liegen mag. Vielleicht frisst mich zu Hause mein Alltag zu sehr auf, vielleicht brauche ich aber auch den Abstand und die tiefen Teppiche der Hotels. Vielleicht kann ich auf Holzdielen nicht bloggen. Oder es fällt mir in Hotels leichter. Ich mag nämlich Hotels. Wo sonst ist morgens wieder alles am Platz, wo auch immer ich es hin geräumt habe? Wo sonst kann ich mich am Morgen wecken lassen und sicher sein, dass ich die mich weckende Person nicht um den Schlaf gebracht habe? Wo sonst läuft im Fernseher nicht Markus Lanz, sondern “Dating in the Dark” – und das auch noch in HD. Mein Hotel liegt übrigens zehn Fußminuten vom MIT entfernt, und das ist auch das einzige, das ich mir bislang angesehen habe. Oder zumindest einen kleinen Teil davon. Denn das MIT ist eine Kleinstadt (neben der Großstadt Harvard) – und selbst in den Gebäuden kann man sich sehr leicht verlaufen. Als würden die Institute selbst ihre Studenten auswählen: Wer sich zurecht findet, kann so falsch hier nicht sein. Was mich gefreut hat: Das MIT ist genau so nerdig, wie ich es mir vorgestellt habe. Überall kleben bunte Einladungen zu Science-Fiction-Fangruppen, an den Schwarzen Brettern hängen gute und schlechte Nerdwitze, und im Kino läuft der neue “Star Trek”. Genau so muss es auch sein. In welchem Umfeld könnte man sonst Wecker erfinden, die weglaufen, nachdem sie geklingelt haben? Wie mein Taxifahrer auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel so schön gesagt hat: “They have smart people there. And crazy ones. Smart and crazy ones, too. These are the ones that may become famous.”






Denver

Juni 12th, 2009

Draußen vor meinem Hotelfenster hagelt und gewittert es. Sogar die parkenden Autos schlagen Alarm, und ich fürchte etwas, dass es der Bote von “Papa Nick’s Pizzeria” nicht bis hier draußen schafft – an diesen Ort, der zwar noch Downtown sein soll, sich aber anfühlt wie ein Truckstop im Nirgendwo. Willkommen also im “Best Inn”, Denver, Colorado, dem billigsten Hotel, das wir finden konnten. Immerhin gibt es “Mountain Dew” (oder, wie es, weil ja in den USA alles abgkrzt werden muss, hier heißt: “Mtn Dew”) im Automaten, das Zimmer ist nett und hat sogar eine eingebaute Küche. Das ist auch nötiger denn je, denn alle Fast-Food-Restaurants, die es hier in der Nähe gab, sind um Weihnachten herum zusammen gestürzt. Mal sehen, wie Denver sich morgen zeigt, wenn mutmaßlich die Sonne scheinen wird. Denn eigentlich ist die Stadt auf den ersten Blick (und sonst hatten wir noch keinen) ganz hübsch. Am Bahnhof fuhr sogar eine Pferdekutsche, und wir haben das Stadion gesehen, in dem Barack Obama zum Präsidentschaftskandidaten ausgerufen wurde. Der Weg von Glenwood Springs nach Denver ist nebenbei einer der schönsten, den ich in den USA je gesehen habe – immer am Colorado River lang, durch Canyons und an Pferden und Rindern vorbei. Ein Anblick für Patrioten. Ich gehe jetzt schlafen. Neben mir auf dem Nachttisch liegt eine Packung Streichhölzer, auf der die amerikanische Flagge abgebildet ist, darüber steht “Freedom Lights the Way”. Gute Nacht, Denver. In der Kapelle auf dem LKW-Parkplatz brennt noch Licht.





USA (1)

Juni 11th, 2009

Gegenüber im “Tequila’s” (Family Mexican Restaurant, “now open”) tönt mexikanische Musik vom Band, und zwar so ausdauernd, dass ich mich an die Fernsehübertragung der WM 1986 erinnert fühle. Auf der anderen Straßenseite liegt “Rosi’s Little Bavarian Restaurant”, welches von einem Ungarn geführt wird. Heute Abend gehe ich in die “Glenwood Canyon Brewing Co”, wo es lokales Bier gibt, das im vergangenen Jahr den dritten Platz der Bier-WM gewonnen hat. Ich bin also immer noch in Glenwood Springs – und heute gibt es an dieser Stelle mal keine Landschaften, sondern Liegengebliebenes und im vorbeigehen Aufgesammeltes: einen schattigen Plastikstuhl zum Beispiel (den ich von hier aus sogar sehen kann) und ein frisch gefallenes Ahornblatt auf einem Blindenanzeiger (überall hier – und auch in Japan – gibt es diese Noppen auf der Straße, die Blinden den Weg zeigen und sie vor Treppen oder Straßen warnen. Inzwischen frage ich mich immer mehr, warum so etwas ungemein Praktisches nicht in Deutschland existiert). Außerdem: das Hauptquartier eines Genlabors am Hafen von San Francisco und das Bild einer “Bitte nicht parken”-Garage – und zum Schluss ein Foto aus der Reihe “Was vom Menschen übrigbleibt”. Ein Haarband, ein verrosteter Kleiderbügel und ein Barcode, weggeworfen und fotografiert auf einem öffentlichen Parkplatz in Emeryville. Fehlt nur noch ein geplatztes Kondom, und das Bild wäre perfekt: geboren sein, dann immer wieder eingescannt werden, ein paar Jahrzehnte möglichst viel verbrauchen – dann langsam Rost ansetzen und vergehen. Das klingt depressiv? So ist das nicht gemeint. Es ist nur eine Interpretation von vielen. Vielleicht hat sich hier auch ein Pärchen kennengelernt vor langer Zeit, sie hat ihr Haar geöffnet, er hat flugs sein Sakko vom Kleiderbügel gefischt – und dann haben sie einen Mietwagen aufgebrochen in einer sternenklaren Nacht und sind davon gerast ins Glück. Und dabei ist der Barcode abgefallen – und niemand hat das Paar je gefunden, die Autovermietung nicht und die Polizei auch nicht, obwohl in jedem Staat ihr Bild hing von Oregon bis Florida. Das Auto von dem Parkplatz haben sie immer noch. Und sie hat ihre Haare nie wieder zum Zopf gebunden. Und in diesem Moment liegt ihr Kopf auf seinen Schultern, und er hat nur ein T-Shirt an, weil es in der Sonne so heiß ist, und als sie gleichzeitig zu einem Cocktail greifen, der neben ihnen steht, müssen die beiden lachen. Klingt kitschig? Ich weiß.





Glenwood Springs

Juni 10th, 2009

Eine Zeitzone und drei Bundesstaaten später: Glenwood Springs, Colorado. Eine auf den ersten Blick (und weitere hatte ich noch nicht) recht typische westamerikanische Nichtganzkleinstadt mit einem Kern aus dem 19. Jahrhundert und ästhetisch dagegen abfallenden Nutzbauten, mit Tanke, Liquorstore, Hotels und Restaurants. Das übliche Taco Bell-, KFC- und Burger-Dreieck habe ich noch nicht entdeckt, es würde mich aber sehr wundern, sollte es nicht existieren. Das Besondere hier: heiße Quellen und ein toter Westernheld. In Glenwood Springs starb nämlich Doc Holliday – worauf die Nachfahren heute noch so stolz zu sein scheinen, dass der Swinningpool, der von den Schwefelquellen gespeißt wird, wie ein Sarg geformt ist. Ansonsten finde ich es spannend, an mir zu beobachten, wie sehr mich die USA mit der Zeit vereinnamen, wie ich mich einschwinge. Das liegt natürlich vor allem daran, dass ich derzeit jeden Tag mit unglaublich vielen unterschiedlichen Amerikanern rede. Die meisten erzählen mir gerne ihre Geschichte und beantworten meine Fragen. Dass das so sein würde, war mir zwar aus Erfahrung bereits vor meiner Reise klar – wenn es sich dann jedoch wirklich so ereignet, ist diese oberflächliche Offen- und Herzlichkeit immer wieder berührend. Und natürlich der größtmögliche Gegenpol zu Hamburg. Wobei ich auch viele Amerikaner getroffen habe, die genau diese norddeutsche Verbindlichkeit schätzen. Ich weiß: Das alles ist mehr oder weniger banal und bekannt. Aber wenn man gerade in den USA ist, erlebt man das alles wieder wie zum ersten Mal in vielen kleinen und großen Momenten – und nicht nur, wenn man auf der langen Reise von Kalifornien nach Colorado mitten in Nevada mit einem Baptistenprediger aus Indiana redet, der so unglaublich gerne einmal nach Deutschland kommen würde, weil dort seine Kirche gegründet wurde. Dann aber natürlich besonders intensiv.





Das hat Friedrich Stoltze einmal geschrieben (hier der komplette Text) – und so eng würde ich das nicht sehen, aber irgendwie hat er auch Recht: Frankfurt durchweht eine Leichtigkeit, die ich hier im Norden nur selten erlebt habe. Ja, ich mag auch Hamburg, aber: In einer Äpplerkneipe zu sitzen und sich am Ende des Abends mit allen anderen zuvor Unbekannten am Tisch unterhalten zu haben – das kenne ich von hier nicht (außer aus der “Mutter” vielleicht). Komischerweise habe ich aber nie das Gefühl, wieder “da runter” ziehen zu müssen, wieder täglich die Frankfurter Rundschau zu lesen und die viel besseren Brötchen essen zu wollen, ich sehne mich auch nicht nach dem Gewühl der Zeil oder nach dem Römer oder der Paulskirche, nach Batschkapp oder Exzess – was wohl bedeutet: Es hat schon seinen Sinn, dass ich hier oben im Norden lebe – mit dem sicheren Wissen, immer und jederzeit ein Bett in Frankfurt Bockenheim zu haben.



Ich war mal wieder in Frankfurt am schönen Main. Oder: im schönen Frankfurt am Main. Ich weiß, die Stadt hat nicht gerade den besten Ruf. Zu viele Banker in dunklen Anzügen und hellblauen Hemden. Zu grau. Und dann der Dialekt. Ich muss sagen: Ich mag fast alles. Ich mag den Dialekt gerne. Ich mag die vielen alten Häuser. Ich mag das Verschrabbelte. Ich liebe Handkäs mit Musik, ich mag Äppler. Und ich war dort auf dem Abschiedskonzert einer Band, die ich seit vielen Jahren kenne; sie hör(t)en auf den Namen “U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern” (Video 1, 2), machten Hardcore-A-Capella – und eines ihrer ehemaligen Mitglieder, Matthias Keller, hat ein Lied über Frankfurt geschrieben, das gut ausdrückt, was ich so gerne mag an dieser Stadt. Das Problem: Das wird kaum einer verstehen, der da nicht her kommt. Vielleicht ganz gut so.



Tokio (4)

April 7th, 2009

Nun soll es hier auch ein Ende haben mit Tokio – ich blogge ja schon länger darüber als ich dort war. Also: Hier noch einige Bilder und ein Video vom Rückflug. Wenn ich mich richtig orientiere, müsste das das Grenzgebiet zwischen Russland und China sein, hinter der Küste zum Japanischen Meer. Ich finde diesen Anblick jedes Mal wieder beeindruckend, diese faltige, unwirtliche Szenerie. Wie gerne würde ich mir das mal von unten ansehen und dann Fotos von vorbei fliegenden Flugzeugen machen. Straßen scheint es dort immerhin zu geben – manchmal durchzieht ein schnurgerader Strich die Landschaft. Ich war dennoch froh, als ich wieder in Frankfurt gelandet bin. Das Umsteigen in meinen anderen Flieger Richtung “Testzeile” hat auch reibungslos geklappt.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.


Tokio (3)

April 6th, 2009

Ich kann mich immer noch nicht entscheiden, was süßer ist: japanische Kinder oder japanische Eichhörnchen. Gemeinsam haben sie jedenfalls, das sie mich beide anstarren. Manchmal rennen auch beide weg – wobei der Fluchtreflex auf Seiten der Eichhörnchen tiefer ausgeprägt scheint. Bei den Kindern habe ich das Gefühl, dass ich der erste Europäer sein könnte, den sie zu sehen bekommen. Das klingt nicht besonders wahrscheinlich, ich weiß – aber ich habe in den Tagen, in denen ich in Tokio war, außerhalb des Hotels genau vier weiße und einen schwarzen Nichtasiaten gezählt. Das kommt ungefähr hin mit meinen Beobachtungen die vergangenen Male, als ich Japan besucht habe. Was sich auch bestätigt hat: die Höflichkeit der Menschen dort (abgesehen davon, dass sie mich anstarren). Man kann auf Englisch immer jeden Passanten nach dem Weg fragen – und wo sich viele hierzulande schulterzuckend abwenden würden, wenn sie die Antwort nicht wissen, die außerdem in einer Sprache gestellt wurde, die sie kaum sprechen, reagieren Japaner mit einer unglaublichen Geduld und Beflissenheit. Sie versuchen, mich zu verstehen. Sie sammeln die letzten Brocken Englisch zusammen, um mir zu antworten. Und falls das nicht klappt, suchen sie so lange jemanden, der mir helfen kann, bis sie einen finden. Die vielen Japaner, die Deutschland besuchen, müssen sich vorkommen wie in einem Land voller Barbaren. Das nächste Mal lasse ich auch nicht locker, wenn ein Japaner mich nach dem Weg fragt. Und wenn ich ihn dahin bringen muss, wo er hin will (was mir beim letzten Mal in Japan sogar passiert ist).


Tokio (2)

April 2nd, 2009

Es war ein glücklicher Zufall, ausgerechnet zu der Zeit in Japan zu sein, wenn die Kirschbäume zu blühen beginnen. Und wer wie ich mit einer hohen zweistelligen Zahl an Kirschbaumblütenfotos zurück kehrt, der muss sich dabei nicht maßlos vorkommen – schließlich sind auch die Japaner ganz verzückt von ihren Bäumen. Jedenfalls gibt es derzeit wohl kaum einen Baum, dessen Blüte nicht mit dem Handy fotografiert wurde. Dass ich diese Bäume im Inokashira-Park gesehen habe, freut mich auch aus einem anderen Grund sehr: Ich habe, um hinzukommen, das U-Bahn-System in Tokio gemeistert. Ich habe herausgefunden, wie viele Yen eine Strecke kostet und an welchem der bunten Automaten ich das Geld zahlen muss – und am Ende habe ich es sogar geschafft, da anzukommen, wo ich wollte, also: Einsteigen in Roppongi, mit der Odeo-Linie nach Yoyogi, da umsteigen in die JR-Line nach Nakano, dort auf den nächsten Zug warten, nach Mitaka fahren, aussteigen und einen Kilometer laufen. Umgehauen hat mich dann der See im Park, auf dem viele japanischen Pärchen in riesigen Schwänen dem Ende ihrer Beziehung entgegen paddeln. Wie ich später erfahren habe, gelten die Plastikschwäne auf dem See nämlich als verflucht: Wer damit fährt, der wird sich bald trennen. Ob die Paare trotzdem oder deswegen in so großer Zahl über den See paddeln, werde ich wohl nie erfahren. Die zweite Lieblingsbeschäftigung der Japaner am See übrigens: sich in Gruppen hemmungslos zu betrinken. Vielleicht sind das alles die Opfer des Fluchs: Männer, die schwanbedingt ihre Freundinnen verloren haben und nun Trost in Bier und Sake suchen. Verstehen kann man sie. Es muss schwer sein, unter Kirschblüten zu trauern.