Es brennt!

Juli 21st, 2009

Heute ist der Tag, an dem der neue Adidas-Franchise-Store am Schulterblatt eröffnet, genauer gesagt am Schulterblatt 11 – dort, wo ich meine schöne, rote Umhängetasche gekauft habe. Wo es einen Laden gab, in dem sich weißhaarige Frauen und Männer ganz viel Zeit genommen haben, bis ich die richtige Tasche hatte. Und erst zufrieden waren, als ich es war. Den Laden gab es ewig, nun gibt es ihn nicht mehr. Genau so wie den alten Friseurladen und 1000 Töpfe und meinen alten Bäcker. Nun ist natürlich nicht alles Neue schlecht, nur weil es neu ist – aber es stirbt jedes Mal ein Stück Einzigartigkeit (und genau die soll es doch sein, wegen der dieses Viertel so beliebt ist). Wer weiß: Vielleicht folgen bald H&M und Zara und Starbucks und Burger King und Subway und Nike, und dann zieht ein Mediamarkt in die Flora und im Centro Soziale eröffnet ein Schweinske – und dann ist endlich alles gut und entstört. Dann sieht es hier aus wie überall: Das Viertel ist geldverkehrsberuhigt, auf den Bürgersteigen stehen sich die Wachleute der Geschäfte die Füße platt, und wer hier dann nicht ins Bild passt, der bekommt auf’s Maul, und Nachts ziehen sich dann Agentur-Praktikanten schwarze Kaputzen ins Gesicht und sprühen flotte Guerilla-Marketing-Sprüche an die Wände, weil ihre flotten Kunden auf so was stehen, auf so was Subversives und Alternatives, auf so was mit Ironie und Augenzwinkern. Ja, das ist Galgenhumor. Und es muss ja auch alles nicht so kommen. Heute Abend läuft am Millerntor übrigens der Film Empire St. Pauli, eine Dokumentation über die Umstrukturierungen im Stadtteil. Danach wird es eine Demo geben.



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