9/12

September 12th, 2009

9/12 ist da, der Samstag, auf den seit Wochen alles hinzuwarten scheint: Bewohner, heimische und zugereiste Autonome, BILD-Reporter und Polizisten aus dem ganzen Land feiern heute das Schanzenfest mit Flohmarkt, Musik, Feuer und Blaulicht. Ein traditionelles Stelldichein ist das, ein riesiges Räuber- und Gendarm-Spiel, bei dem sich alle freuen, dass so viele von den anderen da sein werden. Schon jetzt kreisen die Hubschrauber vor meinem Fenster, gerade geht sogar eine Sirene los. Gleich werde ich mal runter laufen in die Schanze und mich freuen, wie bunt alles ist und leicht und wie liebenswert. Doch irgendwann, das weiß ich auch, wird eine der beiden Seiten die Schnauze voll haben, dass so viele Menschen so viel Spaß haben, ohne dass das jemand genehmigt hat. Im Juli, beim Hinspiel, war das die Polizei; mal sehen, wer dieses Mal keine Lust mehr hat zu warten – Schwarz oder Grün. Wie ich höre, ist für 21:30 Uhr eine Kissenschlacht geplant vor der Roten Flora, und danach wird der Stadtteil wohl wieder Federn lassen. Ich werde da sein, weil es gut ist, da zu sein. Und ich werde gehen, wenn das Ganze nicht mehr mein Spiel sein wird. Erfahrungsgemäß sitze ich spätestens um Mitternacht auf meinem Sofa und schüttle den Kopf über das bestellte Haschmich da draußen – und dann werde ich mich lächelnd erinnern, wie der Tag angefangen hat: mit einem Fest, das sein muss, weil so vieles nicht sein muss.




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