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September 13th, 2009
Die Kosten für den Einsatz + Schaden im Arbeitslager bearbeiten lassen, nix mit Wegsperren auf Staatskosten… Steinbruch ist die Lösung. Kesselt dieses Pack ein und treibt es in die Elbe. Und achtet darauf, dass keiner wieder ans Ufer kommt von diesem arbeits- und lichtscheuen Gesindel. Die Chaoten müssten nach Afghanistan geschickt werden. Dort könnten sie gegen die Taliban mal zeigen was sie so alles drauf haben. Markiert die Typen mit Farbe, so kann man sie nachher schneller finden. Knüppel raus und drauf, und meine Segen habt ihr, liebe Polizisten.
Soweit die Gewaltfantasien in den Köpfen der BILD-Zeitungsleser. Das ist nicht verwunderlich. Was ich gerne wissen würde: Was die Idioten sich denken, die gestern Nacht die Wache in der Lerchenstraße angegriffen und dann stundenlang durch das Viertel randaliert haben. Wie geil muss das gewesen sein, im Lichtkegel eines Hubschraubers auf Polizisten loszugehen bzw. davon zu rennen – irgendwie voll Hollywood, total Staatsfeind Nr. 1, krass ACAB und so; gibt bestimmt viel zu erzählen zu Hause in der Vorstadt. Ich verstehe ja deren Verzweiflung darüber, dass das Schanzenfest fast völlig friedlich verlaufen ist, dass Kissen und Federn flogen statt Steine, und dass Volleyball vor der Roten Flora gespielt wurde statt Paintball – nur: Niemand soll mir erzählen, dass das, was Mitternacht passiert ist, irgendetwas mit Politik zu tun hat oder mit den Problemen des Viertels oder der Stadt. “Die Polizei sprach von mehreren hundert gewaltbereiten Randalierern aus unterschiedlichen Lagern. Darunter waren auffallend viele Jugendliche und angetrunkene Festbesucher, die erkennbar nicht zum links-autonomen Spektrum zählten”, ist zu lesen, und das kann ich bestätigen: Je später es wurde, desto mehr Gruppen von Jungs mit dicker Hose haben sich unter das Fest gemischt, aggressiv gegen die Leute, die seit Stunden dort gefeiert haben und nur darauf aus, Stress zu machen. Es ist wohl nötig, dass die Menschen, die das Schanzenfest als politisches Fest verstehen, sich beim nächsten Mal Gedanken darüber machen, wie Gewalt der Gewalt willen zu vermeiden und zu ächten sein könnte. Wie das Fest verläuft, wenn die Polizei sich im Hintergrund hält, wissen wir nun – und diese Strategie der Polizei war so überraschend wie gut – jetzt wird es darum gehen, zu zeigen, dass das Schanzenfest sich selbst schützen kann vor Krawallmachern ohne Sinn, Verstand oder jeglicher politischer Motivation.
Nachtrag: Hier bei Indymedia gibt es zwei Kommentare – von “Anwohner” und “piper” – über die ich mich sehr gefreut habe. Ein Auszug: “Seit Jahren haben wir argumentiert, die Gewalt ginge vom Staat aus, die Polizei habe wegen Kleinigkeiten das Schanzenfest mit unverhältnismässigen Mitteln ‘angegriffen’. Anwohner und Lädenbesitzer haben sich solidarisiert, haben gemeinsam mit linken Strukturen das Fest durchgesetzt und öffentlich Druck gemacht, es in Ruhe zu lassen. Seit gestern ist das nicht mehr möglich.”



Besonders großartig gestern war die Kissenschlacht – eine nicht enden wollende Kissenschlacht: Mehr als eine halbe Stunde lang war der Platz vor der Flora in Federn gehüllt; es war, als würde es schneien im Spätsommer. So viel Lächeln habe ich selten bei so vielen Leuten gesehen. An verflaumten Haaren und Kaputzenpulis war noch lange Zeit später zu bestimmen, wer mittendrin gewesen war – der Punk, der Student, der Kameramann. Und das Schöne: Ich hatte das Gefühl, dass die meisten Kissenwerfer wussten, dass es dabei um mehr ging als nur um ein Event.



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