Die schönste Toilette

November 4th, 2010

der Welt befindet sich in der Hamburger Caffamacherreihe, Ecke Speckstraße. Es ist die der Jupi Bar im Gängeviertel. Nein, sie ist nicht besonders sauber, selbst früh am Abend. Frauen müssen Männern beim Pinkeln zuhören. Und manchmal fehlt Toilettenpapier (aber man findet meistens noch welches im Schränkchen unter dem Waschbecken – das als Tipp). Soweit, so oft auch an anderen Orten vorhanden. Das besondere an dieser Toilette ist: Sie sieht selten so aus wie beim letzten Besuch. Immer hat jemand etwas zurück gelassen – und zwar keine Aufkleber von Bands, Demonstrationen, USP oder Supporters. Sondern Pinsel. Farben. Einen Kommentar zur Lage der Welt, ein leerer Edding liegt auf dem Boden. Und auch ein paar Treppenstufen höher verkleidet sich die Bar immer wieder neu. Manchmal malen Kinder ihre Bilder, mal spielt jemand Gitarre oder Klavier, bis er keine Lust mehr hat. Es wird über Politik diskutiert, manchmal zeichnet Licht das rote Logo des Gängeviertels an die Wand. Franzosen reden französisch, Portugiesen trinken noch einen Wein, und daneben sitzt Juli und repariert ein Buch. Das alles geschieht über dieser Toilette, und manchmal dringt sogar der Klang des Oben nach unten. Ist das Leben oder kann das? Das ist Leben, und das kann was. Wann wurde eigentlich das Handtuch zum letzten Mal gewaschen?



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