Trauerspiel

Juni 28th, 2008

Es ist schlimm. Es ist jetzt schon so schlimm, dass ich mir gar nicht vorstellen mag, wie es endet. Dem Molotow auf der Reeperbahn steht vor dem Aus, einer meiner Lieblingsclubs, wie hier bereits mehrfach beschrieben. Was soll nun werden? Und wo führt das hin? Die “Tanzhalle”: weg. Das “Mojo”: weg vor gefühlt zehn Jahren, weil das Gebäude abgerissen werden sollte (und es steht immer noch). Was kommt als nächstes? Das “Knust”? Das “Nord”? Der “Grüne Jäger”? Die “Mutter”? Macht nur so weiter, aber erwartet keinen Applaus. Auch wenn wir dafür die Elbphilharmonie “bekommen” (gegen die ich eigentlich nichts habe) und das Marinemuseum (gegen das schon eher). Hamburg wird leiser und natürlich: sauberer. Denn das ist das Ziel. Niemand soll sich an etwas stören dürfen, kein Tourist und kein Geschäftsmann, der dann im Hotel am Wasserturm auf die “Szene” herabblickt und gar nicht ahnt, wie schön das Kino im Park einmal war. Schill war der Urknall, und jetzt scheint alles wie auf Schienen zu laufen. “Irgendwann sieht es auf der Reeperbahn aus wie an der Wandsbeker Chaussee”, sagt der Chef vom Molotow, ein grausiges Szenario. Blumiger schreibt es Ralf Köster in der Mopo:

Mein Hamburg hat sich augenscheinlich sehr verändert in den vergangenen Jahren, nur wie? Und wohin? … Die gesamte Hafenrandbebauung hat bei mir ein sentimental melancholisches Loch hinterlassen. Meine Welt sind die Ruinen, mir fehlen die dysfunktionalen Denkmäler einer Vergangenheit, für die es kaum noch Zeugen gibt. Bemerkenswerte Ausnahme ist der Park Fiction. Ein von Anwohnern selbst gestaltetes Kleinod mitten im touristisch flachgewichsten St. Pauli. Hier steht der „Golden Pudel Club“, von Rocko Schamoni und Dr. Pommes samt ihrer Gang mit der eigenen Hände Arbeit Stein auf Stein errichtet. Hier ist mein Arbeitsplatz, der schönste der Welt, mit Blick auf den Hafen, wo die großen Schiffe keinen Schlaf mehr finden, weil die Bassline der Globalisierung dunkel wummernd einen Takt vorgibt, der ohne Pausen, ohne Zäsuren, ohne Kontemplation auskommen muss. … Vom „Pudel“ zur Marktstraße, wo ich wohne, gelange ich über Schleichwege, die ich niemandem verrate, nicht einmal meiner Frau, obwohl sie den gleichen Arbeitsweg hat. Unterwegs freue ich mich über Graffiti und Interventionen, über die vielen kleinen Verschandelungstaten, die dem Lebensgefühl in Hamburg einen halbwegs urbanen Anstrich geben. … Der ungeplanten Kunst im öffentlichen Raum erweise ich meinen Respekt, hier ist die Stadt Spitze, auch im Unverständnis. In meinen Gedanken bin ich bei „OZ“, der alten Hütte.

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